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Was hat Sie zum Textildesign geführt?
Ich begann im College mit dem Häkeln, um meinen Modedesigns mehr Struktur zu verleihen – ursprünglich wollte ich Mode studieren. Dabei habe ich meine Begeisterung für die Technik entdeckt wie für die Stoffe, die dadurch entstehen. Bei einer Universitätsführung kurz vor meiner Bewerbung war ich von den Werkstätten und der Ausstattung so beeindruckt, dass ich voller Ideen nach Hause ging. Von da an faszinierte mich die Vorstellung, Stoffe selbst herzustellen, um sie später in meine Modeentwürfe einfließen zu lassen.
„Nach vielen Handzeichnungen entwickelte ich wiederkehrende Muster aus Würfeln und Laternenpfählen und überführte sie in Strickdesigns.“
Teil Ihres Studiums an der Buckinghamshire New University war ein eigener Atelierraum sowie Zugang zu Werkstätten im Industriestandard. Welche Technik hat Sie besonders geprägt?
Mein Atelier war ein ganz besonderer Ort für mich – dort konnte ich alle kreativen Richtungen frei ausprobieren. Am meisten begeistert haben mich die Workshops an den Strickmaschinen, sowohl den Haushaltsmaschinen als auch den Dubied-Modellen. Kurz vor meinem letzten Studienjahr kaufte ich mir sogar eine eigene Maschine. Techniken wie Doppelbett-Rippen, Racking oder Spitze begleiten mich bis heute. Oft schaue ich in meine technischen Unterlagen, um neue Impulse für kommende Projekte zu finden.
Eine Ihrer Inspirationsquellen ist die italienische Architektur. Was haben Sie in eine textile Version übertragen?
Die Steinmetzarbeiten, Farben und Muster in Mailand, Venedig und am Comer See haben mich tief beeindruckt. Da das Projekt unter dem Motto Minimalismus stand, arbeitete ich mit einer monochromen Farbpalette. So rückten Muster und Texturen in den Mittelpunkt. Zum ersten Mal konnte ich dabei auch die Stoll-Strickmaschine nutzen. Nach vielen Handzeichnungen entwickelte ich wiederkehrende Muster aus Würfeln und Laternenpfählen und überführte sie in Strickdesigns. Da mir eine texturreiche Kollektion wichtig war, habe ich zusätzlich gehäkelt und verschiedene Garnstärken kombiniert. Einige Stücke verzierte ich mit goldenen Ringen und Perlen, um Lichtreflexe zu erzeugen.
Was möchten Sie mit Ihrer kreativen Arbeit bewirken?
„Ich möchte Menschen dazu anregen, die Schönheit ihrer Umgebung bewusster wahrzunehmen – öfter einmal aufzublicken, statt den ganzen Tag auf einen Bildschirm zu starren.“
Sie haben Ihre Arbeiten in diesem Jahr in der „New Talent Area“ der Heimtextil ausgestellt. Haben Sie dort Inspirationen gefunden, die Sie weiterverfolgen möchten?
Die Heimtextil war unglaublich inspirierend – so viele beeindruckende DesignerInnen und Marken! Parallel hat mich die Architektur in Frankfurt am Main besonders begeistert. Wie immer habe ich viele Fotos gemacht und freue mich darauf, sie in neue Strickprojekte einfließen zu lassen.
In welchem Bereich der Branche möchten Sie später arbeiten?
Ich möchte zwei Richtungen erkunden: Zum einen Strickmode – langfristig sehe ich mich als Strickdesignerin für Mode oder Interior. Zum anderen habe ich während meines Projekts „details invisibles“ eine große Leidenschaft für Druckdesign entdeckt, die ich unbedingt weiterverfolgen möchte.
Titelbild: „Italian Architecture“: Jacquard. Foto: Izabelle Francis