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Mediterraner Wohnraum mit Terrasse und warmen Akzenten.

Feature

Balance und Kontrast

13.01.2026

Textilien prägen die Identität, Atmosphäre und Tiefe eines Raumes, indem sie kulturelles Erbe, handwerkliche Qualität und ein feines Gespür für Materialität widerspiegeln. Interior Designerin Tara Bernerd gibt uns im Interview Einblick in ihren Umgang mit Stoffen und Texturen für Hospitality-Projekte.

Lesedauer: 3 Minuten

Tara Bernerd
Tara Bernerd, Foto: Kate Martin

Wenn Sie ein neues Projekt beginnen, wie nähern Sie sich dem Thema Textilien? Was beeinflusst Ihre ersten Entscheidungen?

Tara Bernerd: Wir verfolgen bei all unseren Projekten einen sehr ganzheitlichen Designansatz und entwickeln die wichtigsten Elemente eines Entwurfs bereits in den ersten Brainstorming-Meetings. Entscheidend ist für uns, dass jedes Projekt in seiner Umgebung verwurzelt ist; so entsteht ein Charakter, der authentisch und ortsspezifisch wirkt. 

Unsere Designphilosophie basiert auf einem vielschichtigen Prozess, der zahlreiche Einflüsse einbezieht. Wir beginnen mit den Grundrissen, danach folgen die zentralen Oberflächen, auf denen wir Schritt für Schritt aufbauen. Textilien und Stoffe bilden dabei eine wesentliche Ebene dieser gestalterischen Schichtung und tragen maßgeblich dazu bei, einem Projekt seine unverwechselbare Atmosphäre zu verleihen.

Gemütliche Lounge mit Naturmaterialien und warmem Licht.
Maroma, a Belmond Hotel, Riviera Maya, Mexiko. Foto: Tara Bernerd & Partners

Welche Eigenschaften von Stoffen sind für Sie am wichtigsten und warum stehen sie so zentral in Ihrer Arbeit?

Textur und Gewicht spielen für mich eine wesentliche Rolle, ebenso wie sich ein Stoff bewegt und wie er auf unterschiedliche Lichtsituationen reagiert. Ich fühle mich instinktiv zu Materialien hingezogen, die Tiefe und handwerkliche Qualität besitzen.

„Ob reichhaltige Wolle, gewebtes Leinen oder handgefärbte Baumwolle, ein Stoff muss für mich sowohl Qualität als auch Seele tragen.“

Wie kombinieren Sie Textilien, Muster und Texturen, um die Atmosphäre und Identität eines Raumes zu gestalten?

Im Mittelpunkt steht für mich Balance und Kontrast. Ich kombiniere gern taktile, natürliche Materialien mit raffinierteren Oberflächen: weiches Leinen mit gebürstetem Holz oder Samt mit Bronzedetails. Statt auf kräftige Muster zu setzen, arbeite ich vor allem mit Schichten aus Textur und Tonalität. Das schafft Tiefe und Atmosphäre, ohne einen Raum zu überladen. Gerade durch diese subtilen Ebenen findet ein Raum zu seinem eigenen Charakter.

Modernes Wohnzimmer mit offenen Regalen und Kunst.
Rosewood, München, Foto: Davide Lovatti
Elegantes Apartment mit Kunst und hellem Sitzbereich.
Links: Rosewood, München, Foto: Davide Lovatti. Rechts: Four Seasons, Fort Lauderdale, Foto: Tara Bernerd & Partners

Hospitality-Interiors bringen spezifische praktische Anforderungen mit sich. Wie beeinflussen Aspekte wie Haltbarkeit, Pflege, Akustik oder Sicherheitsaspekte Ihre Textilwahl?

Wir beginnen immer mit der Idealvorstellung und arbeiten dann gemeinsam mit unseren LieferantInnen und HerstellerInnen daran, Hospitality-taugliche Versionen zu entwickeln, die auf das jeweilige Projekt zugeschnitten sind. Die Herausforderung besteht darin, die Schönheit und Integrität des Designs zu bewahren und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Materialien den Anforderungen des Hotels gerecht werden. Eine gute Zusammenarbeit mit den HerstellerInnen ermöglicht es uns, beides zu erreichen.


Können Sie ein aktuelles Projekt nennen, bei dem Textilien eine besonders prägende oder inspirierende Rolle gespielt haben?

Im Maroma, A Belmond Hotel spielten Textilien eine besonders zentrale Rolle. Unser Ziel war es, den ursprünglichen Charakter des Hauses zu bewahren und zugleich zeitgenössische Eleganz sowie eine warme, wohnliche Atmosphäre einzubringen. Im Kern wollten wir etwas schaffen, das mühelos gelassen wirkt und die Anmut eines schicken Zuhauses besitzt. Wie bei vielen unserer Projekte arbeiteten wir eng mit lokalen KunsthandwerkerInnen zusammen, um handgefertigte Stoffe und gewebte Details zu entwickeln, die das regionale Kunsthandwerk feiern. Das Ergebnis ist eine harmonische Verbindung aus Textur, Muster und Farbe, die authentisch in ihrer Umgebung verwurzelt ist.

„Im Maroma, a Belmond Hotel, spielten Textilien eine besonders zentrale Rolle. Unser Ziel war es, den ursprünglichen Charakter des Hauses zu bewahren und zugleich zeitgenössische Eleganz sowie eine warme, wohnliche Atmosphäre einzubringen.“

Mediterraner Wohnraum mit Terrasse und warmen Akzenten.
Maroma a Belmond Hotel, Riviera Maya, Mexiko. Foto: Tara Bernerd & Partners
Schlaf- und Wohnbereich mit Naturfasern und Holztönen.
Maroma a Belmond Hotel, Riviera Maya, Mexiko. Foto: Tara Bernerd & Partners
Warme Barlounge mit Holzdetails und sanfter Beleuchtung.
Maroma a Belmond Hotel, Riviera Maya, Mexiko. Foto: Tara Bernerd & Partners

Gibt es textile Elemente, gestalterische Gewohnheiten oder Materialentscheidungen, die inzwischen Teil Ihres eigenen Signature-Stils geworden sind?

Als Designerin lasse ich mich immer von schönen Stoffen inspirieren – von reich gewebten Tweeds bis hin zu schlichten, sommerlichen Leinen. Textilien sind zu einem wesentlichen Bestandteil meiner Arbeit geworden; sie verleihen einem Raum Tiefe, Wärme und Menschlichkeit. Häufig arbeite ich mit monochromen Paletten in unterschiedlichen Texturen, um einem Raum ein üppiges, luxuriöses Gefühl zu geben. In anderen Fällen fügt ein kontrastierendes Kederband an einem Sofa oder Stuhl eine zusätzliche Ebene der Raffinesse hinzu. Dieses sehr bewusste Layering von Materialien und Atmosphären ist zu einer leisen, aber unverkennbaren Handschrift unseres Studios geworden.

Stilvolle Lobby mit dunkelblauem Sofa und Regalen.
Rosewood, München, Foto: Davide Lovatti
Helles Schlafzimmer mit gemütlicher Sitzecke und Balkonblick.
Rosewood, München, Foto: Davide Lovatti
Modernes Loft mit hohen Fenstern und eleganter Einrichtung.
Conrad, Los Angeles, Foto: Philip Vile
Bunte Decken und Kissen kunstvoll arrangiert.
Tara Bernerd für Frette-Kate Martin
stylepark-logo

Chiara Desbordes

stylepark Magazin

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