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Die Klimakrise greift immer stärker in unser aller Leben ein – maßgeblich angetrieben durch petrochemische Kunststoffe. Jessie Frenchs künstlerische Forschung zu Polymeren auf Algenbasis entstand aus dieser ernüchternden Realität. Mit zunehmender Tiefe ihrer Forschung entwickelte sich daraus das Materialinnovationsstudio Other Matter. Heute entwickelt das in Melbourne ansässige Studio Oberflächenmaterialien für Innenräume, Folien und Lederalternativen, die nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft konzipiert sind. Im Interview spricht French über biobasierte Materiallösungen, den technologischen Fortschritt und die Herausforderungen im Umgang mit Abfällen.
Welche Rolle spielen Designerinnen und Designer Ihrer Meinung nach dabei, die Verbreitung biofabrizierter bzw. biobasierter Materiallösungen voranzutreiben?
Designerinnen und Designer setzen Materialien auf ganz unterschiedliche Weise ein – manchmal geleitet von den Anforderungen ihrer Auftraggeber, manchmal von den funktionalen Rahmenbedingungen einer Anwendung, fast immer aber mit einem ästhetischen Anspruch. Die Verbreitung neuer Materialien ist nicht ihre Aufgabe – ihre Aufgabe ist Leistung.
„Ein Material muss sich seinen Platz selbst verdienen, sowohl ästhetisch als auch technisch.“
Angesichts der heutigen Rahmenbedingungen werden manche Materialentscheidungen jedoch nicht gut altern. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum immer mehr Designerinnen, Designer und Auftraggeber ethische Aspekte und ökologische Verantwortung als zentrale Leistungsmerkmale betrachten – und nicht als bloßen Zusatz.
Welche nächsten Schritte sind erforderlich, damit nicht-petrochemische Kunststoffe im Interior Design und in der Textilindustrie stärker Fuß fassen können?
Die regulatorischen Veränderungen – insbesondere in der EU – werden das Verhalten der Branche erheblich verändern. Maßnahmen wie die Ökodesign-Anforderungen der ESPR oder das Verbot der Vernichtung unverkaufter Kleidung und Textilien werden Unternehmen dazu zwingen, Materialien und deren Lebensende neu zu denken – etwas, worauf viele Lieferketten bislang nicht vorbereitet sind. Genau dieser Druck wird nicht-petrochemischen Alternativen den Weg ebnen.
Außerdem sollte man nicht außer Acht lassen, dass petrochemische Kunststoffe durch staatliche Subventionen künstlich günstig gehalten werden. Allein im Jahr 2024 belief sich die weltweite staatliche Unterstützung für die Kunststoffindustrie Schätzungen zufolge auf rund 80 Milliarden US-Dollar.
Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der Zukunft des Interior Designs?
Ich wünsche mir, dass Materialien wie unsere nicht länger als etwas Neues wahrgenommen werden. Wir bauen mit natürlichen Materialien, seit Menschen überhaupt bauen. Ich wünsche mir, dass sie als das gesehen werden, was sie sind: ganz normale Werkstoffe und Infrastrukturen, die fachgerecht und sinnvoll eingesetzt werden. Sie sollten weder allein deshalb einen Freifahrtschein erhalten, weil sie als „nachhaltig“ gelten, noch allein deshalb strengeren Maßstäben unterliegen, weil sie als „neu“ wahrgenommen werden. Ich hoffe, dass die Frage, ob ein Material petrochemischen Ursprungs ist, in zehn Jahren genauso selbstverständlich sein wird wie die Frage nach seiner Zugfestigkeit.