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Als Leni Rohleder vor fünf Jahren als Head of Sustainability in den Familienbetrieb, die Weberei Rohleder mit Sitz im oberfränkischen Konradsreuth, einstieg, war für sie eines klar: „Ich wollte nicht einfach die Tochter des Inhabers sein“. Stattdessen suchte sie nach einem Thema, das sie eigenständig verantworten und gleichzeitig nutzen konnte, um das Unternehmen, die Prozesse und die Menschen dahinter kennenzulernen. Die Entscheidung fiel schnell auf das Thema Nachhaltigkeit – auch weil ihr das Thema persönlich am Herzen liegt.
„Reduce, Reuse, Recycle – das war für mich der logische Ausgangspunkt“, erzählt sie. In der Textildesignerin Melanie Peter, die seit 25 Jahren Stoffe bei Rohleder entwickelt, fand sie eine begeisterte Mitstreiterin. Gemeinsam begannen sie, die Materialströme im Unternehmen genauer zu analysieren. Schnell wurde deutlich: Der größte Abfallstrom des Unternehmens besteht aus textilen Resten – insbesondere aus den sogenannten Webleisten, die beim Webprozess technisch unvermeidbar entstehen.
Industriepartner wie die BWF Group als Spezialist für technische Nadelfilze und rundgenadelte Spezialprodukte begleiten das Projekt bereits mit Blick auf mögliche industrielle Anwendungen. Denn die Frage lautet längst nicht mehr nur, ob sich aus Textilabfällen ein Hocker herstellen lässt. Spannend wird vielmehr, welche weiteren Anwendungen denkbar sind: Könnten die Vliese künftig Schaumstoff ersetzen? Lassen sich daraus sogar neue Garne herstellen? „Das wäre dann wirklich ein Closed-Loop-System, bei dem wir echtes Fiber-to-Fiber-Recycling machen könnten“, so Leni Rohleder, die sich auch ganz offen für Folgeprojekte zeigt. Oder lässt sich das Projekt auch auf andere Textilsektoren übertragen?
Und welche Erkenntnisse konnten konkret für das Unternehmen Rohleder gewonnen werden? Hier sind sich Leni Rohleder und Melanie Peter einig: „Wir profitieren in jedem Fall von einem großen Wissenstransfer im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Zudem konnten wir unser Netzwerk deutlich erweitern.“ Und nicht zuletzt wurden die eigenen Produktionsprozesse durchleuchtet und an der einen oder anderen Stelle angepasst, um Abfälle weiter zu reduzieren.
Für Leni Rohleder und Melanie Peter ist klar: Nachhaltigkeit ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein langfristiger Veränderungsprozess. Auch wenn wirtschaftlicher Druck und steigende Kosten das Thema aktuell oft in den Hintergrund drängen. „Man merkt schon, dass viele Unternehmen gerade erst einmal ums Überleben kämpfen“, sagt Leni Rohleder. „Aber genau deshalb muss man jetzt weiterdenken und Erfahrungen sammeln. Wenn die Anforderungen steigen, ist man auf diese Weise vorbereitet.“
RecyTube zeigt eindrucksvoll, wie viel Innovationspotenzial in vermeintlichen Abfällen steckt – und dass textile Kreislaufwirtschaft nur funktioniert, wenn Forschung, Industrie und Design gemeinsam neue Wege gehen.