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Naturfasern und Textilmaterialien im Forschungslabor

Nachhaltiger Textildruck

Aus Reststoffen wird Farbe

17.09.2026

Abfälle aus der Landwirtschaft und Industrie als Quelle für den Textildruck? Ein Forschungsprojekt zeigt, wie das gelingt. Mit Reststoffen und Biopolymeren zu leistungsfähigen, nachhaltigen Druckpasten.

Lesedauer: 3 Minuten

Key Facts

  • Nutzung von Reststoffen aus Agrar- und Lebensmittelindustrie sowie Biomasseanlagen
  • Entwicklung von Druckpasten auf Basis der Biopolymere Chitosan und Kollagen
  • Erfolgreiche Anwendung im konventionellen Rotationssiebdruck
  • Oeko-Tex® Standard 100-Konformität nachgewiesen
  • Industrielle Tests erfolgreich abgeschlossen
  • Europäisches Patent angemeldet (Anmeldenummer P2024.8 EP)

Industrieabfälle als Ressource für den Textildruck

Die Textilindustrie sucht intensiv nach Alternativen zu fossilen Rohstoffen. Das Forschungsprojekt „be@t“, geleitet durch CITEVE (dem portugiesischen Technologie- und Innovationszentrum für Textil- und Bekleidungsindustrie), Lameirinho und CeNTI zeigt nun, welches Potenzial in bislang wenig genutzten Reststoffen steckt: Abfälle aus Landwirtschaft und Biomasseanlagen wurden erfolgreich als farbgebende Komponenten für den Textildruck eingesetzt.

Über die Ergebnisse berichtet Augusta Silva, Textilingenieurin und Innovationsmanagerin für Druck und Beschichtung bei CITEVE. Im Mittelpunkt steht ein Ansatz, der mehrere Herausforderungen gleichzeitig adressiert: die Verwertung von Industrieabfällen, die Reduzierung fossiler Rohstoffe im Textildruck und die Senkung der Umweltbelastung textiler Veredelungsprozesse.

Eine ausgezeichnete Idee

Für diese Entwicklung wurde das Projekt mit dem Techtextil Innovation Award 2026 ausgezeichnet. Verliehen wurde die Auszeichnung auf der Techtextil, der internationalen Leitmesse für technische Textilien und Vliesstoffe.

Augusta Silva mit dem Techtextil Innovation Award 2026
Augusta Silva mit dem Techtextil Innovation Award 2026

Vom Abfallstoff zur Druckfarbe

Eine zentrale Herausforderung bestand darin, die ausgewählten Reststoffe für den industriellen Textildruck nutzbar zu machen. Da die Anwendung im weltweit verbreiteten Rotationssiebdruck erfolgen sollte, mussten die Partikelgrößen exakt an die Anforderungen der Technologie angepasst werden.

Als Ausgangsmaterialien dienten Reststoffe wie Rebschnitt, Kiefernrinde und Asche aus Biomassekesseln. Die Materialien wurden in Kugel- und Messermühlen mechanisch mikronisiert und ohne Wasserzugabe zu feinen Partikeln verarbeitet, die anschließend in Druckpasten integriert werden konnten.

„Wir konnten die Partikelgröße der Abfälle so weit reduzieren, dass sie mit der Rotationssiebtechnologie verarbeitet werden konnten.“

Biopolymere ersetzen konventionelle Bindemittel

Besonders innovativ ist die Zusammensetzung der Druckpasten. Statt fossiler Komponenten kamen die Biopolymere Chitosan und Kollagen zum Einsatz, die als Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie anfallen.

Die Forschenden stellten fest, dass beide Materialien gleichzeitig als Verdickungs- und Bindemittel fungieren können. Dadurch übernimmt ein biobasierter Rohstoff zwei Funktionen, die in konventionellen Druckpasten meist durch mehrere Produkte erfüllt werden.

Dieser Ansatz trägt dazu bei, fossile Rohstoffe zu ersetzen und gleichzeitig wettbewerbsfähige Produktionskosten zu ermöglichen.

Nachhaltiges Kleidungsdesign aus gerafftem Naturstoff
Fertiges Kleidungsstück mit biobasiertem Druckdesign
Gerafftes Textildesign aus nachhaltigem Naturstoff
Textilstruktur mit aufgedrucktem Muster
Naturfasern und Textilmaterialien im Forschungslabor
Reststoffe wie Rebschnitt, Kiefernrinde und Asche dienen als Ausgangsmaterialien für die Druckpaste

Überzeugende Ergebnisse in Labor und Produktion

Nach erfolgreichen Labortests wurde die Technologie unter industriellen Bedingungen erprobt. Untersucht wurden unter anderem Wasch-, Reib- und Lichtechtheit.

Augusta Silva hebt besonders die Performance der eingesetzten Biomasseasche hervor: 

„Die Lichtechtheit der Asche liegt über fünf und ist damit für ein mineralisches Produkt ausgezeichnet.“

Gerade bei natürlichen Farbquellen sei eine hohe Lichtechtheit häufig eine Herausforderung. In mehreren Prüfungen wurden sogar die Anforderungen des Industriepartners übertroffen.

Neben den technischen Eigenschaften analysierte das Projektteam auch die Umweltwirkungen der neuen Lösung. Darüber hinaus bestätigten die Prüfungen die Konformität der entwickelten Textilien mit dem Oeko-Tex® Standard 100.

Pigmentdruck als nachhaltiger Wachstumstreiber

Nach Angaben von Silva entfallen bereits rund 50 Prozent der weltweit produzierten Textildrucke auf Pigmentdruckverfahren – Tendenz steigend. Ein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass keine nachgelagerten Waschprozesse erforderlich sind und somit die Umweltauswirkungen geringer ausfallen. 

Der Weg zur Markteinführung

Aktuell arbeitet das Projektteam an der endgültigen Patentanmeldung. Parallel werden die Langzeitstabilität der Druckpasten und die Lagerfähigkeit der eingesetzten Reststoffe untersucht.

Bereits heute stößt die Entwicklung auf großes Interesse in anspruchsvollen Anwendungsfeldern, darunter die Automobilindustrie, der Gesundheitssektor sowie die Bekleidungs- und Modebranche. Eine vollständige Ablösung fossiler Rohstoffe sei zwar unrealistisch, doch biobasierte Alternativen könnten künftig einen deutlich größeren Beitrag zu einer ressourcenschonenden Textilindustrie leisten.

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