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Der Markt für digitalen Textildruck war in den vergangenen sechs Jahren erheblichen externen Belastungen ausgesetzt und hat sich zugleich intern aufgrund veränderter Verbraucheranforderungen, strengerer Umweltgesetze und zunehmender Digitalisierung rasant weiterentwickelt. Hardware, Software und Verbrauchsmaterialien müssen sich anpassen, damit Druckdienstleister wettbewerbsfähig bleiben können. In einer aktuellen Podiumsdiskussion während der „Digital Textile Printing Week“ von WTiN erörterten Branchenführer, wie sich Druckdienstleister in einem zunehmend umkämpften Markt behaupten können.
An der Diskussion nahmen Dmitry Sarbaev von Fluxmall DTG, Krisjanis Ozols, ehemals bei Printful, sowie Kevin Van Lancker, Gründer von Sportswear of Tomorrow und FLAVE, teil. Van Lancker betonte, dass technologische Innovationen zwar Begeisterung auslösen, die meisten Unternehmen derzeit jedoch Zuverlässigkeit höher bewerten als modernste Spitzenfunktionen. „Stabilität ist der wichtigste Faktor, wenn wir über Qualität und Output sprechen“, sagte er.
Die Nachfrage nach digital bedruckten Textilien schwankt je nach Marktlage, dennoch schneidet der Digitaldruck in Krisenzeiten weiterhin besser ab als analoge Verfahren, da er flexibler ist. Van Lancker erklärte, dass Sportswear of Tomorrow großen Wert auf Agilität legt, um Unsicherheiten, niedrige Mindestbestellmengen und unterschiedliche Materialien bewältigen zu können. Ozols ergänzte, dass eine verlässliche Versorgung, stabile Preise und technischer Support entscheidend für die Geschäftskontinuität seien.
Es wird erwartet, dass das Produktionsvolumen im digitalen Textildruck bis 2030 schneller wächst als die weltweite installierte Basis an Druckern, da sich „Print-Service-Providers“ (PSPs) darauf konzentrieren, die Auslastung bestehender Maschinen zu maximieren, anstatt in neue Geräte zu investieren. Zuverlässigkeit und maximale Betriebszeit sind daher entscheidend. Sarbaev betonte, dass Kunden schnellen Service und lokal verfügbare Ersatzteile erwarten, um Ausfallzeiten zu vermeiden. Van Lancker stimmte zu und erklärte, dass Unternehmen vollständig von der Leistungsfähigkeit ihrer Drucker abhängig seien.
Die Branche entwickelt sich außerdem weg vom reinen Hardwareverkauf hin zu integrierten Lösungen, die Hardware, Software, Service und Daten kombinieren. Sarbaev ergänzte, dass Schulungen, After-Sales-Support und maßgeschneiderte Lösungen inzwischen genauso wichtig seien wie die Maschinen selbst.
Wahrnehmung von Nachhaltigkeit
Van Lancker argumentiert, dass Nachhaltigkeit ein weniger wichtiger Investitionstreiber sei als Performance, Kosten und Druckqualität – insbesondere in einem wirtschaftlichen Abschwung. Das bedeute jedoch nicht, dass sich Druckdienstleister nicht mit ökologischen Herausforderungen auseinandersetzen.
Er vertrat die Ansicht, Nachhaltigkeit lasse sich eher durch flexible On-Demand-Produktion erreichen als dadurch, recyceltes Polyester zu verwenden und es als nachhaltig zu bezeichnen – denn im Kern sei es das nicht.
Ozols nannte die vier Säulen moderner Druckdienstleister: „Geschwindigkeit, Qualität, Preis und Angebotsbreite. Man braucht ein umfangreiches Portfolio und muss in vielen Bereichen Experte sein.“
Zur Unterstützung des grüneren Wandels in der Produktion ergänzte Ozols: „Wir werden mehr Onshoring oder Nearshoring sehen, weil die Vorteile einer Fertigung näher am Endverbraucher überwiegen.“ Dazu gehören kürzere Markteinführungszeiten und geringere Logistikkosten. Daten von WTiN zeigen, dass Osteuropa ein wachstumsstarker Markt ist und den Produktivitätsrückstand gegenüber Westeuropa in den vergangenen Jahren verringert hat.
Automatisierung und Lieferzeiten
Nearshoring hilft, Lieferzeiten zu verkürzen. Dieser Effekt lässt sich durch den Einsatz von Automatisierung und künstlicher Intelligenz weiter verstärken.
Van Lancker sagt, seine Kunden würden nur dann hellhörig, wenn man eine Lieferung innerhalb von fünf Tagen garantieren könne; früher hätten die Lieferzeiten sechs Wochen oder mehr betragen.
Einer der Gründe für das Wachstum Osteuropas ist, dass die Arbeitskosten dort niedriger sind als in Mittel- und Westeuropa und zugleich die Nähe zu den großen Absatzmärkten vorteilhaft ist. Dennoch lassen sich die Kosten weiter senken. Ozols sagte: „Automatisierung ist die nächste große Hürde, weil körperliche Arbeit einen so großen Anteil an den Kosten ausmacht. Gerade durch KI werden Unternehmen autonomer und weniger anfällig für Risiken im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Herausforderungen oder Problemen in der Lieferkette.“
Autor: Joseph Link, WTiN