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Weiße Sneaker auf farbigem Hintergrund

Modulare Schuhe neu gedacht – zirkulär

27.01.2026

Wir stellen Ihnen Hersteller vor, die klassische Klebe- und Fixiermethoden hinter sich lassen und zirkuläre Designs umsetzen.

Lesedauer: 4 Minuten

Takeaways

  • Viele Bauteile und Fügetechniken erschweren das Recycling von Schuhen.
  • Modularität wandelt sich vom Nischenansatz zu einem ernsthaften Treiber für Zirkularität.
  • Von klebefreien Bauweisen bis zu Rücknahmesystemen für Komponenten zeigen Marken, wie sie ihr Schuhwerk für eine kreislauffähige Zukunft neu denken.

Lineare Modelle müssen überdacht werden

Jährlich werden fast 24 Milliarden Paar Schuhe produziert, von denen fast 90 % innerhalb eines Jahres nach dem Kauf auf Deponien landen oder verbrannt werden.1

Aufgrund ihrer komplexen Konstruktion und Materialzusammensetzung sind die meisten Schuhe zwar leistungsfähig, aber nicht dafür konzipiert, lange zu halten – geschweige denn, sie auseinanderzunehmen und wieder in den Kreislauf zurückzuführen.

Zirkularität entwickelt sich zunehmend von einem ambitionierten Nachhaltigkeitsziel zu einer operativen und regulatorischen Notwendigkeit. 

Oft sind es mehr als 60 fest verklebte Komponenten, die Zirkularität bislang nahezu unmöglich machten.

Konkrete Praxisbeispiele

Methods Footwear

Nachhaltiger Sneaker mit modularer Sohle
Das Lederwrap-Element bildet das zentrale Verbindungsteil des Schuhs. Quelle: Methods Footwear

Entworfen in den Niederlanden und produziert in Portugal: Schuhe, die aus nur fünf recycelbaren oder biologisch abbaubaren Komponenten bestehen. Diese verbinden sich clever ohne Kleber oder Nähte, sodass eine mühelose Demontage möglich ist2. Jedes Teil (die Sohle, Obermaterial, Innensohle, Schnürsenkel und Lederwrap) kann einzeln ausgetauscht oder über ein Rücknahmesystem zurückgegeben und zu neuen Komponenten recycelt werden3.

Die Marke wurde 2025 mit dem „Green Good Design Award“ ausgezeichnet. Methods vereint minimalistisches Design mit Reparierbarkeit und einer unverwechselbaren Ästhetik4. Die Schuhe wurden offiziell im Juni 2025 auf den Markt gebracht und kosten ca. 225,00 €. 

Explosionsansicht modularer Schuhkomponenten
Dieser Schuh besteht aus nur fünf Teilen, die jeweils für Stilvariationen oder eine längere Lebensdauer ausgetauscht werden können. Quelle: Methods Footwear

Dieser Schuh besteht aus nur fünf Teilen, die jeweils für Stilvariationen oder eine längere Lebensdauer ausgetauscht werden können. Quelle: Methods Footwear

Camper ROKU

Technische Illustration eines modularen Schuhs
Technische Skizze, die das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten darstellt. Quelle: Camper

Inspiriert von organischen Formen und der japanischen „Wabi“-Ästhetik, markiert der Roku von Camper einen mutigen Schritt in Richtung modulares Schuhwerk. Das Produkt besteht aus sechs austauschbaren Komponenten: gestricktes Obermaterial, 3D-gestrickte Innensocke, Innensohle, Schnürsenkel, XL EXTRALIGHT® EVA-Sohle (mit 51 % Recyclingmaterial aus Produktionsabfällen) und ein Kord-Connector – und bietet damit sowohl Anpassungsmöglichkeiten als auch Reparierbarkeit5

Die Konstruktion erlaubt eine demontierbare Bauweise ganz ohne Klebstoff. Verkauft wird der Roku sowohl als vollständig montiertes Paar als auch in Einzelkomponenten. So sind bis zu 64 einzigartige Variationen über die Lebensdauer möglich6. Roku zeigt damit, wie eine Traditionsmarke über reine Experimente hinausgehen kann und modulare Schuhe als greifbare, designorientierte Verbindung von Nachhaltigkeit, Tragbarkeit und persönlichem Ausdruck positioniert6.

Künstlerische Inszenierung zweier modularer Sneaker
Camper hat Anleitungen entwickelt, um Verbraucher beim korrekten Zusammenbau zu unterstützen. Quelle: Camper

Salubata

Ein weiteres Beispiel ist Salubata aus Nigeria, die Plastikabfälle in modulare Schuhe verwandeln und die sich leicht zusammensetzen und auseinandernehmen lassen7.

Der 2-in-1-Trainer ist sowohl auf Nachhaltigkeit als auch auf Zugänglichkeit ausgelegt: Für das 3D-gestrickte Obermaterial und die modularen Sohlen wird recyceltes Plastik verwendet, was Austausch und Demontage ermöglicht.

Über das Produkt hinaus fließt ein Teil der Gewinne in die Unterstützung von Unternehmerinnen und Unternehmern und zu Kindern in unterversorgten Gemeinschaften, wodurch soziale Verantwortung direkt in das zirkuläre Geschäftsmodell eingebunden wird8

Ralfy

Modularer Schuh mit nachhaltigen Materialien
Dieses Produkt besteht aus zwei Kernkomponenten: der Außenschale und der Innensohle. Quelle: Ralfy

Die über Kickstarter Anfang 2025 gestartete N1 wurde von fast 500 Unterstützern finanziell getragen und schlägt mit einem modularen System die Brücke zwischen Hausschuhkomfort und Sneaker-Funktionalität.

Die N1 verfügt über eine einschiebbare Außenschale mit austauschbaren Farbeinsätzen und ermöglicht 28 ästhetische Kombinationen pro Paar – ganz ohne Kleber, was die Anpassung erleichtert. Hergestellt aus erneuerbarem Zuckerrohr-Schaum, recyceltem Baumwollmesh und auf Langlebigkeit ausgelegt. Der Austausch der Innensohle oder der Schale verlängert die Lebensdauer, reduziert Abfall und unterstützt Personalisierung – alles in einem pflegeleichten, unkomplizierten Design9.

NNormal Kboix 01

Auch im anspruchsvollen Trailrunning gewinnt Modularität an Bedeutung. Das Modell Kboix 01 bricht mit traditionellen Konzepten, indem es drei austauschbare Zwischensohlen bietet, die es Läuferinnen und Läufern erlauben, Dämpfung und Reaktivität je nach Gelände und persönlichen Vorlieben anzupassen10.

In Zusammenarbeit mit Spitzenathlet Kilian Jornet entwickelt, widerlegt das Produkt die Vorstellung, dass Hochleistungs-Schuhe nur kurzlebig sein können, und zeigt, dass Anpassbarkeit und Nachhaltigkeit selbst bei Spitzenleistung Hand in Hand gehen können.

Schwarzer Performance-Sneaker mit Wechselsohle
Der Kboix bietet die Optionen Soft, Reactive und Bounce für unterschiedliche Lauferfahrungen. Quelle: NNormal

Footloop

Diese modulare Sandale wurde entwickelt von:

  • Balena – ein Materialwissenschaftsunternehmen mit eigener kompostierbarer Materialplattform
  • Moon Rabbit Lab – ein Unternehmen für computergestütztes Design mit Erfahrung in der Schuhentwicklung
  • Framas – ein Spezialist für technische Spritzgusstechnik mit Expertise in Schuhkomponenten

Die Footloop-Sandale wird mittels additiver Fertigung aus einem einzigen thermoplastischen Biomaterial hergestellt, ganz ohne Zusatzstoffe. Nach Nutzung sollen die Schuhe vollständig recycelbar oder wieder druckbar sein. Auch wenn sich Footloop noch im Prototypenstadium befindet, zeigt das Projekt, wie minimalistisches Design und nachhaltige Innovation zu einer zirkulären Schuhvision verschmelzen können11.

Recycelbare Schuhsohlen und Obermaterialien
Quelle: Balena, Moon Rabbit Lab, Framas

Autor: Lorenzo Costanzo, WTiN

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