Überspringen

Barrierefreiheit

Der Teppich, der den Weg kennt

29.09.2026

Tufting, taktile Kontraste, RFID und digitale Navigation. Eine Logik für inklusive Innenräume – und ein neuer Markt für Hersteller.

Lesedauer: 2 Minuten

Textile Oberfläche als spürbarer Wegweiser

Krankenhausflur, Museum, Hochschule: Für Sehende ist der Weg meist eine Frage der Beschilderung. Für sehgeschädigte Menschen entscheidet oft der Boden. Genau dort setzt „ModuLeiT“ an. Das TFI – Institut für Boden- und Raumsysteme an der RWTH Aachen und die TH Mittelhessen entwickelten textile Bodenindikatoren, die Hoch-Tief-Strukturen, visuelle Kontraste und RFID-Tags verbinden. Eine barrierefreie App kann über das BIM-Modell (Building Information Model) in Echtzeit durch Gebäude navigieren.

Das Projekt begann mit einer Lücke: Bestehende Standards beziehen sich vor allem auf den Außenraum. Ihre Maße ließen sich nicht einfach in Teppich übertragen. Breiten, Abstände und Flächen wurden neu gedacht, getuftet und mit sehgeschädigten Personen erprobt. Ihr Feedback führte über mehrere Entwicklungsstufen zur finalen Struktur.

„Man muss es wirklich als Gesamtsystem betrachten.“

Tamara Theilmann
Demonstration der Innovation auf der Techtextil 2026
Demonstration der Innovation auf der Techtextil 2026 in Frankfurt am Main

Was der Boden vermitteln muss

Das Team prüfte taktile und visuelle Kontraste zunächst getrennt, kombinierte die wirksamsten Varianten und bewertete das System als Ganzes. Dabei zeigte sich: Die Struktur muss sich über die gesamte 50 x 50 Zentimeter große Teppichfliese erstrecken. Die im Außenraum üblichen 30 x 30 Zentimeter genügten innen nicht.

Die Barrierefreiheit durfte nicht zur ästhetischen Sackgasse werden

Ein Designworkshop untersuchte Farbkombinationen und die Übertragbarkeit in bestehende Kollektionen. Entscheidend sind definierte Kontrastwerte, nicht vorgeschriebene Farben. Für Hersteller ist das der Hebel: Die Funktion lässt sich standardisieren, ohne die Gestaltung zu uniformieren.

„Das würde uns kein Architekt abkaufen – die Individualität zählt.“

Volkmar Reichmann
Herstellung der Teppichfliesen
Die Herstellung der Teppichfliesen im entwickelten Sonderformat

Bereit für den Objektmarkt

Der nächste Schritt ist klar: Aus dem Prototyp soll ein flexibel kombinierbarer Läufer werden – 50 bis 60 Zentimeter breit, passend für unterschiedliche Teppichkollektionen. Damit das funktioniert, müssen Produktion und Recycling mitgedacht werden: von gleichmäßigen Rückenbeschichtungen bis zu trennbaren Materialien. Gefragt sind weiterhin Hersteller, RFID-Anbieter, die Bauwirtschaft und App-Entwickler.

Das könnte Sie auch interessieren: