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Wassertropfen auf rotem Stoff

Insights

Sport- und Outdoorwear-Trends

27.03.2025

Von zirkulärem Design und Next-Gen-Materialien bis hin zu ultrarobuster Ausrüstung und frauenspezifischen Innovationen. Entdecken Sie nachfolgend wichtige Trends 2025 der Sport- und Outdoorbranche.

Lesedauer: 4 Minuten

Wie weite Teile der Textil- und Bekleidungsbranche hatte auch die Sport- und Outdoorwear-Industrie im Jahr 2024 mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen. Hier sind die wichtigsten Innovationstrends für Sport- und Outdoorwear im Jahr 2025:

1. Recycling und Kreislaufwirtschaft

Regulierungen und gesetzliche Vorgaben zwingen Marken dazu, sich intensiver mit dem Thema Kreislaufwirtschaft zu befassen und ihre Produkte von Anfang an unter Berücksichtigung des Lebensendes zu entwerfen. Neben Rücknahmesystemen wie Patagonias "Worn Wear"-Programm, das es Verbrauchern ermöglicht, gebrauchte Patagonia-Produkte einzutauschen, zu reparieren oder zu kaufen, konzentrieren sich Marken verstärkt auf geschlossene Kreislaufsysteme. Ziel ist es, Materialien kontinuierlich zu recyceln und innerhalb der Branche wiederzuverwenden.

Der Einsatz recycelter Materialien im Sport- und Outdoorwear-Sektor wird 2025 weiter zunehmen, da viele Marken eigene Faser-Transformationsziele verfolgen, von denen viele Fristen bis 2025 und 2030 haben. Allerdings wird der langsame Kommerzialisierungsprozess von Textil-zu-Textil-Recyclingtechnologien und die mangelnde Sammlungsinfrastruktur voraussichtlich zu einem Engpass bei recycelten Fasern führen. Dadurch dürfte der Wettbewerb um recycelte Faserressourcen weiter zunehmen, was die Bedeutung eines proaktiven Technologie-Scoutings zur Sicherung limitierter Rohstoffe verstärkt.

Auch die Reduktion von Abfall und Chemikalieneinsatz treibt die Branche weiter in Richtung Kreislaufwirtschaft. Zudem führen verstärkte „Extended Producer Responsibility” (EPR)-Richtlinien dazu, dass Hersteller zunehmend Verantwortung für das Lebensende ihrer Produkte übernehmen. Dies beeinflusst Design- und Beschaffungsentscheidungen von Marken, Händlern und Produzenten erheblich.

2. Next-Gen-Materialien

Der verstärkte Fokus auf Next-Gen-Materialien wird vor allem durch neue gesetzliche Vorgaben vorangetrieben. Obwohl Marken und Hersteller in den letzten Jahren bereits Interesse an alternativen Materialien gezeigt haben, war die Akzeptanz bislang gering. Diese wurden oft als Risiko betrachtet, insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Doch mit neuen Vorschriften und unternehmenseigenen Nachhaltigkeitszielen wird sich die Umsetzung beschleunigen.

Ein Beispiel dafür ist die EU, die ein umfassendes EPR-Rahmenwerk entwickelt. Frankreich und die Niederlande haben bereits nationale EPR-Programme eingeführt, die Hersteller für das Lebensende ihrer Produkte verantwortlich machen. Dies fördert die Nutzung biologisch abbaubarer und recycelbarer Materialien und reduziert den Einsatz traditioneller Synthetikstoffe sowie natürlicher Materialien wie Baumwolle. Zudem werden Hersteller ermutigt, schadstoffarme Färbungen und Chemikalien zu verwenden. Dadurch rückt auch das Design von Produkten stärker in den Fokus, um Kreislauffähigkeit von Beginn an zu berücksichtigen.

Besonders alternative Polyester und Lederersatzstoffe gewinnen an Bedeutung. Ein Beispiel ist die Schweizer Sportmarke On, die ihr Kreislaufprogramm mit den Modellen Cloudrise Cyclon und Cloudeasy Cyclon erweitert hat. Diese nutzen eine Faser-zu-Faser-Recyclingtechnologie von Loop Industries. Cloudrise basiert auf Rizinusbohnen, während das Cloudeasy-Obermaterial aus 100% recyceltem Polyesterfasern gefertigt wird, die mit der Infinite Loop™-Technologie produziert wurden.

Wassertropfen perlen ab auf blauem Stoff

3. Langlebigkeit

Die EU-„Eco-Design”-Verordnung, die im Juli 2024 in Kraft trat, hat bereits erhebliche Auswirkungen auf die Branche. Neben digitalen Produktpässen, Kreislauffähigkeit und Ressourceneffizienz fördert sie die Nutzung hochwertiger Materialien und Verarbeitungstechniken, um die Wertigkeit und Lebensdauer von Produkten zu steigern.

Gerade im Sport- und Outdoorbereich ist Langlebigkeit essenziell, da die Produkte intensiver genutzt werden und hohe Performance-Standards erfüllen müssen. Interessant bleibt jedoch die Frage, wie die Branche diesen Trend mit ihrem bisherigen Modell in Einklang bringen wird, das auf häufige Neuverkäufe angewiesen ist. Besonders im Performance-Sektor wird Langlebigkeit ein entscheidender Faktor für Kundentreue.

Darüber hinaus könnte der Fokus auf Haltbarkeit kreislauforientierte Geschäftsmodelle wie Vermietung und Wiederverkauf begünstigen. Da langlebige Produkte wertvoller sind, könnten sie den Zugang zu hochwertiger Ausrüstung zu niedrigeren Preispunkten ermöglichen und neue Zielgruppen ansprechen.

4. Temperaturregulierung und Umweltschutz

Khakifarbene Steppjacke mit Reisverschluss

Temperaturregulierung spielt im Sport- und Outdoorwear-Segment eine zentrale Rolle und wird immer wichtiger, da die Branche ständig an Leistungsgrenzen arbeitet. Neben der Leistungssteigerung und der Reduzierung gesundheitlicher Risiken verbessert eine Temperaturregulierung den Komfort und steigert die Zufriedenheit des Produkterlebnisses. 

Die Herausforderung wird darin bestehen, umweltfreundliche Produkte zu entwickeln, die dennoch thermoregulierend wirken. Wird es dabei Kompromisse zwischen Performance und Nachhaltigkeit geben? Diese Entwicklung bleibt spannend.

Auch der Klimawandel könnte die Nachfrage nach solchen Produkten antreiben – sei es durch extreme Hitze oder vermehrte Starkregenereignisse. Ähnlich wie die COVID-19-Pandemie das Interesse an antiviralen Stoffen steigerte, könnten extreme Wetterereignisse das Bewusstsein der Verbraucher für Kühl- und Schutzfunktionen in Sport- und Outdoorbekleidung erhöhen.

5. Frauenorientiertes Design

Mit der UEFA Frauen-Europameisterschaft und der Rugby-Weltmeisterschaft der Frauen wird frauenspezifisches Design 2025 an Bedeutung gewinnen. Die steigende Sichtbarkeit von Frauen im Sport erhöht die Nachfrage nach Bekleidung, die nicht nur optisch, sondern auch funktional auf die Bedürfnisse weiblicher Athleten zugeschnitten ist.

Ergonomie spielt dabei eine immer größere Rolle. Marken berücksichtigen verstärkt die unterschiedlichen Proportionen und Bedürfnisse von Frauen, beispielsweise in den Bereichen Muskelkompression, Temperaturregulierung und Brustunterstützung. In einem gesättigten Marktsegment könnte eine optimierte Passform für Frauen entscheidend sein, um Marktanteile zu gewinnen.

Weitere Entwicklungen

Zusätzlich erwarten wir eine verstärkte Integration von Leichtbaumaterialien und eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Membran-Technologien. Diese Trends zeigen: 2025 wird ein entscheidendes Jahr für Innovationen in der Sport- und Outdoorwear-Branche.

Autorin: Madelaine Thomas, WTiN

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