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Detailaufnahme eines mehrfarbigen Papiergarngewebes

Papiergarn

Papier als Textil

13.10.2026

Die dänische Textildesignerin Rosa Lützen erforscht die gestalterischen Möglichkeiten von Papiergarn. Ihre Kollektionen zeigen, wie vielfältig textile Strukturen aus Zellulosefasern die Lichtwirkung und das Raumerleben im Interior Design beeinflussen können.

Lesedauer: 2 Minuten

Die Absolventin des Masterstudiengangs Textile Design an der Swedish School of Textiles der Universität Borås erforscht ein Material, das großes Potenzial besitzt: Papiergarn. Mit "Unfolding Paper" erkundet Rosa Lützen, wie dessen Struktur für Formstabilität sorgt und dreidimensionale Strukturen ermöglicht. In weiteren Entwürfen kombiniert sie Papiergarn mit natürlichen Fasern wie Wolle, um die Eigenschaften der Materialien in neue textile Qualitäten zu transferieren. 

Farbige Papiergarne und Garnmuster im Vergleich
© Rosa Lützen

Für das Projekt "Woven Paper Landscapes" übertrug sie so eigene Landschaftsfotografien auf einen digitalen Jacquardwebstuhl und wandelte jedes Bildpixel in einen Faden um – ein Experiment zwischen den festen Regeln des Webens und einem freien, malerischen Farbeindruck. Laut Lützen stand dabei insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie sich Garnfarben miteinander vermischen lassen.

Papiergarngewebe entsteht auf industriellem Webstuhl
© Rosa Lützen
Textile Flächen aus gewebtem Papiergarn
© Christoffer Regild (l.), Rosa Lützen (r.)
Webatelier mit Papiergarngewebe am Webstuhl
© Rosa Lützen

Auch in der Herstellung sucht die Designerin nach Schnittstellen: Eine offene Struktur aus Papiergarn webt sie auf einem industriellen Schaftwebstuhl. Das zweilagige Gewebe bildet eine röhrenförmige Abfolge, die anschließend plissiert wird. Obwohl transparent und federleicht, bietet das Material eine natürliche Festigkeit, wodurch die Präzision der Falten erhalten bleibt. Das von ihr gestaltete Gewebe kann so auf und zu gezogen werden, ohne dass die plastische Wirkung verloren geht. Für den Einsatz im Innenbereich versteht sie das Material als flexibles Gestaltungselement: "Ein Vorhang kann auf vielfältige Weise genutzt werden", sagt sie. Transparente Textilien aus Papiergarn können beispielsweise als sanfte Raumteiler fungieren und flexible Übergänge zwischen verschiedenen Bereichen schaffen.

Papiergarne und textile Muster im Entwicklungsprozess
© Rosa Lützen

Im Detail wird das Papiergarn aus Zellulosezellstoff hergestellt, zu Papierbahnen verarbeitet, in schmale Streifen geschnitten und anschließend verzwirnt. Laut Lützen ist die industrielle Herstellungstechnik von handgefertigtem japanischem Papiergarn inspiriert und wurde während der Weltkriege verstärkt genutzt, als Baumwolle nur eingeschränkt verfügbar war. Jede Gewebelage wird von Rosa Lützen in einem anderen Farbton ausgeführt, die sich zu spannenden Collagen überlagern: Je nach Blickwinkel verändert sich die Intensität und Wahrnehmung. 

Für die Färbung des Garns ließ sie sich von der japanischen Shibori-Technik inspirieren, bei der Bereiche des Textils unter anderem mit Falt- und Wickeltechniken frei bleiben, um individuelle Muster zu erzeugen. Die dabei entstehenden unregelmäßigen Strukturen verleihen der Oberfläche zusätzliche Tiefe und Vielfalt. 

Transparente textile Fläche aus feinem Papiergarn
© Maya Matsuura

Mit ihrem kreativen Ansatz verbindet Rosa Lützen Materialforschung, Webtechnik und räumliches Denken. Sie möchte dazu beitragen, das Verständnis für textile Herstellungsprozesse zu stärken und dessen Produktion wieder verstärkt in Europa zu verankern. Ihr nächstes Ziel? Einen gewebten Papiervorhang in größerem industriellen Maßstab zu entwickeln. Zudem plant sie, ihr Wissen über die Herstellung des Materials zu vertiefen, zum Beispiel in Kooperation mit Woodnotes, einer finnischen Designmarke, die als erstes Unternehmen weltweit Papiergarn für moderne Teppiche und Heimtextilien nutzte.


Titelbild: © Christoffer Regild

Anna Moldenhauer

stylepark Magazin

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