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Nachhaltigkeit und hohe Wertigkeit: Die Themen der Zukunft prägten die Heimtextil 2020

10.02.2020

Die 50. Heimtextil lieferte starke Impulse für die neue Einrichtungssaison. 63.000 Besucher informierten sich bei den 2.952 Ausstellern auf der weltweit führenden Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien über die großen Themen der internationalen Branche. Nachhaltigkeit war dabei das übergeordnete und alles überstrahlende Top-Thema.

Auf der Heimtextil 2020 zogt sich das Thema Nachhaltigkeit über die gesamte Veranstaltung wie ein grüner Faden. Umfangreiche Maßnahmen und Informationen zeigten, wie sich die Materialprozesse für eine bessere Umwelt weltweit verändern und soziale Verantwortung für die beschäftigten Menschen zunimmt. Auch wenn die Zahlen noch nicht stimmen, die Bereitschaft der Verbraucher, für umweltfreundliche Textilien mehr Geld auszugeben noch in den Kinderschuhen steckt, waren Angebot und Nachfrage auf der weltweit größten Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien so groß wie noch nie. Langlebigkeit und Second Life beginnen sich in Produkten zu manifestieren. „Das Umdenken fängt eigentlich erst richtig an“, sagt Martin Auerbach, Hauptgeschäftsführer vom Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie e.V. „Denn um tatsächlich in der Kreislaufwirtschaft anzukommen, müssen wir über die gesamte Wertschöpfungskette denken und handeln. Mehr noch: Bisher stand in der Entwicklung das Produkt an erster Stelle. Um in der Circular Economy anzukommen, müssen wir die bisherigen Fragestellungen umkehren. Diese lauten dann: Wie sieht das optimal kreislaufende Produkt aus? Wie können wir danach die erforderlichen Gebrauchseigenschaften bekommen? Und letztlich: Wie können sich die Hersteller mit ihren Produkten im Markt differenzieren?“

Langfristige Trends haben Zukunft

Auf Besucherseite zeigte sich das große Interesse an nachhaltigen Konzepten auch in der neu eingerichteten „Future Materials Library“ im „Trend Space“ in Halle 3.0. Die Library bot einen spannenden Einblick in nachhaltig produzierte Textilinnovationen. So machte die Kategorie Natural Assets mit Algen und Brennnesseln auf ungenutzte Naturschätze aufmerksam, Living Materials mit heranwachsenden Pilzgeflechten auf gezüchtete Materialien, Biological Byproducts mit Orangenschalen oder Agavenblättern auf landwirtschaftliche Ressourcen. Remade wiederum demonstrierte mit Hilfe von textilen Abfallstoffen deren Wiederverwendungspotential.

Alles ist möglich – das gemeinsame Konzept heißt Diversität

Die Frage nach den Trends für 2020 ist dabei gar nicht so leicht zu beantworten. Die Zeit der vorgegebenen Stil-Richtungen ist vorbei. Es gibt keinen Massengeschmack mehr. Es geht um Diversität. Das brachte der großartig inszenierte, 1.000 Aussteller-Exponate starke Trend Space in Halle 3.0 beeindruckend zum Ausdruck - mit seinem riesigen Dom für die „Luxury Heritage“-Thematik, der Half Pipe für „Active Urban“, dem überdimensionalen Pouf im Materialmix bei „Multi Local“, dem beschützenden Zelt für „Pure Spiritual“, der dynamischen Pole Dance-Inszenierung bei „Maximum Glam“ und der aufblasbaren Riesengestalt als gemeinsamem Sympathieträger. Die Darstellung des Themas „Where I belong“ führte vor Augen, dass Identität durch viele Erlebnisse geformt wird. Und diese wiederum etwas damit zu tun hat, wie man sich einrichtet, was einem gefällt. Alles ist inklusiv, findet zusammen, tauscht sich aus. Mit dem einen großen Ziel: Wohlbefinden. Es geht darum, textiles Interior Design für eine heimelige, angenehme Atmosphäre zu nutzen. Und die kann für jeden anders aussehen.

Funktion, Diversität und Networking im Objektgeschäft

Diversität lautete auch das übergreifende Thema der Vorträge im Umfeld von Interior.Architecture.Hospitality, dem speziell auf Innenarchitekten und Hotelplaner ausgerichteten Produkt- und Fachangebot. Die “Interior.Architecture.Hospitality LECTURES“ wurden in Zusammenarbeit mit AIT Dialog und dem hotelforum angeboten. Die Themen der Lectures behandelten unterschiedlichste gesellschaftliche und kulturelle Herausforderungen: Urbanes Leben, Wohnen auf Zeit aber auch Kultur- und Medienlandschaften. Auch die geführten Messerundgänge fanden großen Anklang bei den Fachbesuchern. Die Branchenpartner AIT-Dialog, AHGZ, arcade, architektur international, bdia und World Architects navigierten die Teilnehmer der „Interior.Architecture.Hospitality TOURS“ zu thematisch ausgewählten Ausstellern. „Die Touren sind eine sehr wertvolle Hilfe, weil viele mit der Fülle des Angebots auf der Heimtextil zunächst überfordert sind. Darüber hinaus geben die Touren den Teilnehmern einen persönlichen Charakter, eine individuelle Sicht“, erklärt Jutta Werner vom Hamburger Büro nomad, die für World Architects durch die Hallen führte. „Deutlich sichtbar wurde, dass Vernetzung, Transparenz, Innovation und Umnutzung von Materialien ein Thema war, das viele Firmen und Kreative bewegt.“

Die Objekttextilien in der neuen „Interior.Architecture.Hospitality LIBRARY“ überzeugten die Besucher vor allem durch ihre funktionalen Eigenschaften. Die erstmals auf der Heimtextil gezeigte textile Materialbibliothek veranschaulichte das Spektrum moderner Funktionstextilien anhand einer kuratierten Auswahl an Produkten aus dem Angebot der Heimtextil-Aussteller. Dazu gehörte „Sensation“, ein schwer entflammbarer Samt (Edmund Bell) aber auch Solarflex, ein schalldämpfender Twill (A House of Happiness – Royal Vriesco), „Vogue“, eine wasserabweisende Strukturtapete (Omexco) oder „Soft Basic“, ein scheuerbeständiger Velvet (Gebr. Munzert). Insgesamt umfasste die Library 64 Textilien zu vier funktionalen Kriterien (scheuerbeständig, schalldämpfend, schwer entflammbar und wasserabweisend). Online ist die Library das ganze Jahr über abrufbar (www.textile-library.com) und bietet ein wertvolles Arbeitstool für den Einsatz von Textilien im Objekt.

Der Trend hin zu einer nachhaltigen Wertschöpfungskette prägt natürlich auch das Objektgeschäft. Das wurde auch bei den Ausstellern der „Interior.Architecture.Hospitality EXPO“ deutlich. Die Expo in Halle 4.2 zeigt eine Auswahl an textilen Produkten und Einrichtungslösungen für das Objekt. Dort präsentierte sich auch Féline, ein niederländisches Start-up mit nachhaltigen und hoch flexiblen Akustiklösungen aus Wollfilz. Der Newcomer am Markt gewann mit seinem Produkt „minimal art collection“ prompt das begehrte „Heimtextil Trendscouting by AIT“: „Vielen Kunden ist nicht bewusst, wie umweltbelastend die klassische Herstellung von Filz ist“, erklärt Renske Vogel, Gründerin/Managing Partner von Féline. „Wir haben im Vorfeld viele Recherchen angestellt und uns für die Entwicklung Zeit genommen. Jetzt können wir mit der Féline Kollektion Fresco eine wirklich nachhaltige und sehr moderne Alternative anbieten.“ Bei der Auszeichnung „Heimtextil Trendscouting by AIT“ nominieren zunächst rund 50 Innenarchitekten, Architekten, Planer oder Hotelexperten ihre Trendprodukte aus dem Angebot der Heimtextil. Aus allen Nominierungen kürte eine hochkarätige Fachjury am zweiten Messetag schließlich den Heimtextil Trendscouting by AIT Winner und drei Special Mentions (die Flachstapeten von Norafin Industries / Extra Organic, das OceanSafe Prinzip und die Square LED der Marburger Tapetenfabrik).

Der neue Konsument macht den Unterschied

Die Unternehmen erachten das Thema Nachhaltigkeit zunehmend als Chance. Allein die Zahl der nachhaltig agierenden Unternehmen, die sich für den Green Directory mit ihren Zertifikaten bewarben, war zur Heimtextil 2020 mit 259 so hoch wie noch nie. Nachhaltiges Produzieren und Handeln wird zur Konstante und zeigt sich auf der Heimtextil in zahlreichen Facetten: Selbstklebende Design- und Funktionsfolien für ein Second Life von Möbeln und Wänden (Konrad Hornschuch), der Einsatz kompostierbarer Materialien (Alonso Mercader), traditionelle Webwaren aus Upycling-Garnen (The Aviary Studio), zu einhundert Prozent recyclebare, dekorative und FSC-zertifizierte Tapeten mit schimmerndem Digitaldruck (Komar Products). Die spanische Firma Antex ist schon 2007 mit nachhaltigen Produkten gestartet, aber seit zwei bis drei Jahren nimmt die Nachfrage zu: „Der neue Konsument macht den Unterschied.“

Ökologische Produktion

Die Zukunft der Textilindustrie, die einen starken Impact auf die Umwelt hat, wurde auch im Bereich „Textile Technology“ sichtbar. Denn die Vereinbarkeit von Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung ist in der technischen Vorstufe evident. Neben der Automatisierung bietet vor allem die Digitalisierung viele neue Möglichkeiten. Dazu gehören Druckmaschinen, die nicht nur den Energie- und Wasserverbrauch senken, sondern auch schneller sind und mit Tinte auf Wasserbasis mit ökozertifizierten Farbstoffen arbeiten (KIIAN Digital/JK Group). Feinlösliche, hochpigmentierte Farbstoffe für den Digitaldruck sparen pro Kilo Ware bis zu 35 Prozent Energie und bis zu 30 Liter Wasser ein, weil Waschen und Dämpfen entfällt (Itaca Textile). Ein neues Papier für den Transferdruck, das aufgrund seiner Spezialbeschichtung keine Vor- oder Nachbehandlung erfordert, gewährleistet Schnelligkeit und verbesserte Druckqualität. (Neenah Coldenhove).

Individualität durch Flexibilität

Das Angebot war noch nie so vielseitig wie heute. Die meisten Kollektionen sind in ihrer Variierbarkeit auf die Verwirklichung individueller Einrichtungswünsche ausgelegt. Lampenschirme können mit Stoffen aller Art bezogen werden (Dannells), Wetcare-Produkte lassen sich mittels Digitaldruck farblich ganz beliebig verändern (Pintail International), Tapeten mausern sich zu einzigartigen Wandunikaten (Feathr Oy, Welter Manufaktur für Wandunikate), die Auswahl von Prints und Jacquards für Polstermöbel wächst (B&B Fabrics). Zu sehen war das Thema Vielseitigkeit im Kleinen wie im Großen: Als kultureller Mix mit Motiven aus Indien, Japan oder Afrika (S. Gramage Hogar); Die offene Interpretierbarkeit der Kollektionen, die Mischung von Farben, Stoffen, Prints und Stickereien eröffnet einen neuen Weg zu verspielterer und opulenterer Inneneinrichtung (Sanderson – Caspian/Style Library).

Maximalismus wird populär

Einem neuen Aufkommen von Größe, Luxus und Pracht entspringen ausdrucksvolle Bilder, die sich auf Tapeten und Bezugsstoffen breitmachen. Eyecatcher in jeder Beziehung sind Dschungelmotive (Parato, Safeco), moderne Darstellungen, von Flora und Fauna (Clarke & Clarke, Gardisette), exotische Tiere (Nooteboom Textiel, Pintail International), Animalprints (Castilla Textil), Insekten (Safeco), Päonien und Papageien (Alfred Apelt). Auch im Bereich „Window & Interior Decoration“ dominierte Maximalismus der Dessins im eklektischen, kühnen Mix. Mehr Textil, mehr Dekoration, mehr Tapete, mehr Witz – alles scheint möglich. Das DecoTeam erzielte mit einer außerordentlich plakativen Blumentapete bewusst einen Knaller, eine ganz andere Optik. Der Showeffekt des vergrößerten Dessins in arabischer Anmutung als Wandgestaltung war geplanter Kontrapunkt zum ruhigen Uni von Castilla Textil.

Ein Statement im Hotel/Lounge-Setting stellten die massiv vergrößerten Floraltapeten von B&B Fabrics dar. Große Blumendessins auf schalldämmender Strukturtapete (Adawall Wallpaper Factory) beeindruckten ebenso wie der weite Blick in blühende Gärten, den der Wandbehang von Nooteboom Textiel inszenierte. Mit ihrem um 300 Prozent vergrößerten Tigermotiv machte Textiles Joyper auf sich aufmerksam. Die lebensgroße Stierkampfszenerie als Digital Print war wiederum das Aushängeschild von Artica Textile (4.1). Vor allem die extrem großen floralen Druckdessins auf Vorhangstoffen (Comersan), auf Tapeten (Ohpopsi) und Teppichen (Essenza Home) machten deutlich, dass starke Dessins und Statement Colours Zukunft haben.

Der grauen Möbel müde

Über die großen Motive kommt wieder Farbe in die Wohnlandschaft. „Colour is back“ lautete auch das Motto vom DecoTeam, die unter ihrem Thema Colourful intensive Farben propagieren. Mit Gold, Kupfer, Rubin, Amethyst und intensiv dunklen Grün- und Blautönen wie Petrol baute sich eine edle Farbwelt auf, die stark in Kontrast mit der minimalistischen Farbigkeit skandinavischer Stimmungsbilder in leichten oder gedeckten Holz-, Natur- und Erdtönen steht. Eine Wand phantasievoll tapeziert, kontrastfarbige Kissen und Poufs frech platziert – Farbe bringt Bewegung in Wohnszenerien und hat vielleicht sogar das Zeug, am Grau-in-Grau der Polstergarnituren und Sitzmöbeln zu rütteln (SIC Global Textile). Grau wird aufgelockert durch Rosé, Bleu und Türkis. Vor allem satte Gelbtöne tun sich als Brücke von Natur- und Neutraltönen zu mehr Farbigkeit auf. Die Inspirationsquellen für das zweite Jahrzehnt erinnern an die Goldenen Zwanziger vor einhundert Jahren. Prächtige Tapeten mit Jugendstil- (Morris & Co/Style Library) oder Pfauenaugen-Dessins (Nooteboom Textiel, Sanderson – Caspian/Style Library), edlem Metall-Schimmer (Komar Products) oder eleganten Strukturmustern (Grandeco Wallfashion Group), glitzernde Pailettenstoffe (Verhees Textiles) und matt glänzende Kordeln (Tassel & Trim) verführen zum Schwelgen in und Schwärmen von vergangenen Zeiten. Das Goldgelb bringt einen Touch Luxus. Ganz entscheidend für den luxuriösen Eindruck aber sind Samtstoffe, auf denen die neuen Farben besonders wertig zur Geltung kommen (Ashley Wilde Group).

Aus der Modewelt gegriffen – dekorativ und künstlerisch

Mit dem Rückgriff in glamouröse Zeiten kommen im Interior auch Dessins, von bold bis verspielt, für Vorhänge oder Möbel, auf den Plan, die aus der Modewelt gegriffen sind (Pala Suni Deri). Dessins bauen sich auf, die der Fashion-, Furnishing- und Lifestylemarkt gleichermaßen nutzt (Pattern Hive, Studio Bodhi). Räume werden eingekleidet wie Haute Couture (Karin Sajo/Grandeco Wallfashion Group). Originalvorlagen (Sooshichacha) oder anspruchsvolle, gewebte Stoffbilder werden für Kissen und Vorhänge eingesetzt (Woven Art Company). Der künstlerische Aspekt der Dessinaturen tritt in den Vordergrund. Kissen mit abstrahierten Gesichtern im Stil von Picasso (Alfred Apelt, Gardisette) gehören in diese Strömung und vermitteln künstlerischen Anspruch. Außerdem Prints in Aquarelltechnik für Tapeten (Eijffinger), die als Unikate sogar in Kooperationen mit Künstlern entstehen (Feathr Oy).

Die nächste Heimtextil findet vom 12. bis 15. Januar 2021 statt.

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