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Gestatten, Annette Koch, Head of Corporate Social Responsibility GERRY WEBER International AG

1. Gerry Weber macht im Moment in Sachen Nachhaltigkeit häufiger von sich Reden. Wie kommt es? Forcieren Sie das Thema strategisch?
Ja, denn wir sind überzeugt, dass die Endverbraucher immer mehr Wert darauf legen und bei ihrer Kaufwahl die Unternehmen berücksichtigen, die Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Energiemanagement fördern.
Das Thema Nachhaltigkeit hat bei GERRY WEBER eine große Bedeutung. Und so hat sich das Unternehmen bereits vor vielen Jahren umfangreiche Ziele im Bereich der Sozialstandards, des Energiemanagements und im Bereich Einsatz biologischer Naturfasern gesetzt.
Schon bevor GERRY WEBER der BSCI beigetreten ist, führte es eigene Audits zur Kontrolle von Lieferanten in Fernost durch, die sich an bestimmte Standards halten mussten. Eigene Techniker kontrollieren im Auftrag von GERRY WEBER die Produktionsstätten. Seit 2010 sind wir aktives BSCI Mitglied und kümmern uns intensiv um Verbesserungen der sozialen Standards in der Lieferkette.
2015 haben wir uns dann entschlossen, Mitglied des Bündnisses für nachhaltige Textilien zu werden. Unsere entsprechende Roadmap wurde von den Prüfern angenommen und als plausibel und ambitioniert erklärt.
Zum Thema Energie kann ich sagen, dass wir seit 2016 ein Energiemanagement installiert haben und nach dem Energiemanagementstandard ISO 50001 zertifiziert wurden. Zudem werden bei uns zum Teil erneuerbare Energien genutzt. Bei den GERRY WEBER Stores werden zum Beispiel durch effizientes Energiemanagement – mit der so genannten Bluebox wird sowohl die Beleuchtung als auch die Klimaanlage reguliert – wertvolle Ressourcen und Kosten eingespart. Sämtliche Stores werden zudem nach und nach mit energieeffizienter LED-Beleuchtung ausgestattet.
Aber auch am Standort Halle/Westfalen werden viele Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. Ein wichtiger Schritt ist unter anderem durch eine höhere Transparenz den Stromverbrauch zu reduzieren. Bereits heute verwenden wir mehr als 50 Prozent Ökostrom – langfristig sind 100 Prozent geplant. Weiterhin wird zukünftig als Postauto ein umweltfreundlicher e-smart eingesetzt.
Zudem konnte mit der Einführung von kostenpflichtigen FSC-zertifizierten Papiertüten anstatt Plastiktüten der Tütenverbrauch um rund die Hälfte reduziert werden. Die Erlöse aus dem Verkauf der Papiertüten gehen an die gemeinnützige Organisation ‚Viva con Agua‘, die Trinkwasserprojekte in Nepal unterstützt. Im März 2017 konnten wir bereits einen Spendenbetrag in Höhe von 35.000 € an „Viva con Agua“ überreichen.

2. ... und Sie sind GOTS-zertifiziert. Der Anteil GOTS-zertifizierter Produkte in Ihrem Sortiment soll sukzessive ausgebaut werden. Haben Sie sich ein konkretes Ziel gesetzt? Wie hoch der Anteil in sagen wir 5 Jahren sein soll?

Seit circa einem Jahr setzen wir bereits innerhalb unserer GERRY WEBER Casual-Kollektion zertifizierte BioRe-Baumwolle bei Shirts ein. Mit der GOTS-Zertifizierung haben wir nun die Möglichkeit, dieses junge Projekt nach und nach auch auf weitere Produktgruppen und Marken unseres Hauses auszuweiten.
Wir testen die Realisierung verschiedener Produkte wie Blusen, Strick oder auch Hosen. Die Umsetzung hängt natürlich von sehr vielen Faktoren ab. Wir müssen die geeigneten Lieferanten finden oder langjährige Geschäftspartner bei einer Zertifizierung begleiten.

3. Die Zielgruppe von Gerry Weber sind Frauen – wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit für Ihre Kundinnen? Wie informiert sind sie und wie informieren Sie?

Ein nachhaltiger Lebensstil ist auch für unsere Kundinnen immer wichtiger und erhöht die Nachfrage nach diesen Bekleidungsartikeln. Dabei möchten sie nicht auf die modische Aussage verzichten. Aus diesem Grund integrieren wir die Produkte sehr bewusst in die Kollektion und bringen keine spezielle Linie heraus. Die ersten Modelle werden Anfang November in den Handel kommen. Informiert werden die Kundinnen auf verschiedenen Wegen: zum einen im Nachhaltigkeitsbericht, durch gesonderte Flyer sowie über die Social Media-Kanäle.