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Prof. Dr. Michael Doser, stellvertretender Vorstand und Bereichsleiter Biomedizintechnik bei den DITF Denkendorf
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Nachgefragt: Prof. Dr. Michael Doser, stellvertretender Vorstand und Bereichsleiter Biomedizintechnik bei den DITF Denkendorf

„Textilien haben ein riesiges Potenzial“

Welche innovativen Textilien sind in Zeiten von Corona von Bedeutung und an welchen Einsatzmöglichkeiten von Textilien im medizinischen Bereich wird gerade geforscht? Das erklärt Prof. Dr. Michael Doser, stellvertretender Vorstand und Leiter des Bereichs Biomedizintechnik bei den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung (DITF) Denkendorf, im Interview.

April 2020

Lieber Prof. Dr. Doser, im Gesundheits- und Pflegebereich werden Textilien vielseitig eingesetzt. In der Corona-Pandemie stehen dabei vor allem Schutzausrüstungen wie Masken sowie Krankenhaus- und OP-Kleidung im Mittelpunkt. Welche Rolle kann die Textilindustrie durch innovative Techniken und Einsatzmöglichkeiten in der aktuellen Krise spielen?

Tatsächlich kommt der Textilindustrie eine große Bedeutung zu. Gerade im Bereich Schutzausrüstung gibt es heute schon Textilien, die virendicht sind, wie z.B. Masken. Durch die hohe Dichte der Textilien wird jedoch der Luftdurchgang beeinträchtigt und die Atmung erschwert. Hier wäre es interessant, Textilien zu entwickeln, mit denen das Atmen leichter fällt, durch eine entsprechende Beschichtung die Viren aber abgefangen und möglichst inaktiviert werden. Aus aktuellem Anlass werden in diesem Bereich viele Ideen und Ansätze entwickelt, die gerade bei Covid-19-Pandemie, aber auch der alljährlichen Influenza interessant sein könnten.

Ob antibakteriell oder antiviral: Wo werden solche Textilien schon heute verwendet und welche Chancen und Herausforderungen gibt es hier?

Antibakteriell ausgerüstete Textilien gibt es schon heute in großem Umfang. So werden vor allem spezielle textile Implantate und Nahtmaterialien verwendet, die antibakteriell wirken und verhindern, dass Keime an den Wunden eintreten und sich im Patienten ausbreiten – denn OP-Säle sind zwar keimreduziert, aber nicht keimfrei. Es gibt auch immer wieder Überlegungen, Krankenhauswäsche antibakteriell zu beschichten. Aufgrund der hohen Keimdichte in der Krankenhausumgebung und auf der eigenen Haut gibt es hier allerdings noch Optimierungspotenzial.
Viren sind im Vergleich zu Bakterien deutlich herausfordernder und man muss Tricks entwickeln, um sie mit Textilien bekämpfen zu können. Eine Möglichkeit, die gerade weiter erforscht wird, ist, die Viren über ihre Rezeptorproteine an einer speziell beschichteten textilen Oberfläche zu binden und sie anschließend zu deaktivieren.

Welche weiteren Einsatzmöglichkeiten von Textilien gibt es, die künftig – bei sich weltweit ausbreitenden Erkrankungen oder im medizinischen Alltag – eine bedeutende Rolle einnehmen könnten und an denen Sie forschen?

Die Einsatzmöglichkeiten von Textilien, gerade im medizinischen Bereich, werden häufig unterschätzt. Dabei haben sie ein riesiges Potenzial, weil man verschiedenste Strukturen erzeugen kann, die sich funktionalisieren und deshalb vielseitig einsetzen lassen. So forschen wir schon lange daran, wie Wundheilungsprozesse positiv beeinflusst werden können, indem beispielsweise Wirkstoffe auf der Oberfläche von Textilien oder in porösen Fasern fixiert und daraus später gezielt freigesetzt werden. Dieses Potenzial besteht jedoch nicht nur im Zusammenhang mit Implantaten und Wundheilung. Interessant wäre es, zu erforschen, wie Textilien auch antibakterielle oder antivirale Wirkstoffe freisetzen und somit auch die Genesung bei bakteriellen Krankheiten oder Virusinfektionen unterstützen könnten.

 

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