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Ziele für die Zukunft
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Perspektiven: SDGs x Fashion

Ziele für die Zukunft

Der Plan ist ambitioniert, die Zeit rennt: 2015 haben die Vereinten Nationen die Agenda 2030 verabschiedet – eine Strategie für eine bessere Zukunft. Diese gibt 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zur Hand – auch in der globalen Textil- und Modebranche, die zu den schmutzigsten Industrien weltweit gehört, geben sie Anlass zum Umdenken. Eins ist klar: Die Industrie muss jetzt handeln.

Februar 2021

Die Vereinten Nationen haben ein großes Ziel vor Augen: Sie wollen eine bessere und nachhaltigere Zukunft für alle ermöglichen. Dabei geht es um mehr als Klimaschutz – auch Frieden, Armutsbekämpfung und Zugang zu Bildung sind Teil der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die alle 193 Mitgliedsstaaten der UN im September 2015 unterschrieben haben. Entwicklungsländer ebenso wie Industrieländer sind Teil der globalen Strategie, denn die großen aktuellen Herausforderungen können nur gemeinsam angegangen werden. Kernstück der Agenda sind die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Sustainable Development Goals (SDGs).

Die Rolle der Mode

Ein Planet, neun verbleibende Jahre, 17 Ziele. Um diese zu erreichen, braucht es mehr als halbherzige Bekundungen, sich zu bessern – Taten müssen folgen. Die Modeindustrie spielt dabei eine große Rolle – denn leider ist ein bedeutender Teil der Umweltverschmutzung und der globalen, sozialen Ungerechtigkeit auf die Branche zurückzuführen. Neben diesen lange bekannten Problemen machte die Corona-Pandemie durch wirtschaftliche Einbußen und andere Herausforderungen in den textilen Lieferketten weitere Schwächen der Modewelt sichtbar. Die einzig logische Schlussfolgerung: Es muss sich etwas ändern.

Nachhaltigkeit in der Mode – in der Fair Fashion-Branche ist das schon lange Programm. Aber auch immer mehr konventionelle Brands sehen die Dringlichkeit eines Paradigmenwechsels. Denn der Hebel der Textilindustrie ist groß: Durch ihre komplexen Wertschöpfungsketten können Mode- und Textilunternehmen aktiv den Wandel vorantreiben und eine bessere Zukunft für Mensch und Umwelt sicherstellen. Und das ist auch notwendig: Laut der globalen Gewerkschaft Industriall haben über 90 Prozent der Arbeitnehmer in der globalen Bekleidungsindustrie keine Möglichkeit, über ihre Löhne oder Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Ein weiteres Problem: Textilmüll. Aus dem „Fashion Waste Index“ des nachhaltigen Startups Labfresh aus dem Jahr 2020 geht hervor, dass allein in Europa mehr als die Hälfte aller Kleidungsstücke auf Mülldeponien landen, knapp ein Viertel wird verbrannt. Ein Handeln ohne Umdenken hätte katastrophale Folgen – denn einem von Quantis veröffentlichten Bericht aus dem Jahr 2020 zufolge, gehen von der Produktion und Verwendung von Kleidung etwa acht Prozent der globalen Klimaauswirkungen aus. Die UN geben mit den SDGs Empfehlungen, die auch in der Modeindustrie zu erheblichen Verbesserungen führen können. „Die Sustainable Development Goals dienen als Blaupause für eine bessere und gerechtere Zukunft für alle. Sie adressieren die globalen Herausforderungen, vor denen wir stehen, auch in Bezug auf Armut, Ungleichheit, Klimawandel, Umweltzerstörung, Frieden und Gerechtigkeit. Die Modebranche hat großen Einfluss auf einen Großteil, wenn nicht auf alle diese Herausforderungen“, so Kerry Bannigan, Gründerin der Conscious Fashion Campaign im Interview mit Texpertise Network 2020.

Reset für Fashion Weeks

Handlungsbedarf besteht – jetzt. Die Modebranche ist sich der Dringlichkeit bewusst. Zukunftsweisend, innovativ, konsequent nachhaltig: Die Frankfurt Fashion Week, die ab Juli 2021 in der Mainmetropole ausgerichtet wird, wird zum Host für alle, die den Wandel der Modewelt mitgestalten wollen. Presenting Partner der Frankfurt Fashion Week wird die Conscious Fashion Camapaign in Kooperation mit dem United Nations Office for Partnerships (UNOP). Die Conscious Fashion Campaign wurde 2019 von der sozial engagierten Unternehmerin Kerry Bannigan als eine Initiative in Zusammenarbeit mit dem UNOP gegründet, um Modeunternehmen dabei zu helfen, die 17 SDGs besser zu verstehen und in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren. Ein wichtiger Hebel der Zusammenarbeit mit der Frankfurt Fashion Week ist es, die Nachhaltigkeitsziele bis 2023 zur Voraussetzung für alle Ausstellenden zu machen. Wer seine Brand oder sein Modell bei The Ground, dem neuen, hybriden Business-to-the-People-Format, ausstellen möchte, muss sich schon 2021 zu mindestens fünf SDGs bekennen. Auch in sämtlichen Veranstaltungen der Frankfurt Fashion Week vom 5. bis 9. Juli 2021 werden die SDGs aufgegriffen. „Wir setzen uns dafür ein, Transformation in Gang zu bringen – dafür muss nicht nur der Mindset grundsätzlich geändert werden, sondern wir alle müssen auch den Mut haben, transparent und ehrlich zu sein. Es geht darum, Werte und Wertschöpfung nicht als Kontroverse, sondern als Chance zu begreifen. Wir tun das, was wir am besten können: relevante Player auf allen Ebenen miteinander vernetzen. Die Frankfurt Fashion Week mit ihrem Ecosystem wird zum Enabler. Wir kreieren eine Plattform, die den branchenweiten Change choreografiert“, so Anita Tillmann, Managing Partner der Premium Group und Mitinitiator der Frankfurt Fashion Week.

Eine globale Veränderung: Bei der Copenhagen Fashion Week spielt Nachhaltigkeit ebenfalls eine wichtige Rolle. Vor dem Hintergrund der Sustainable Development Goals der UN wurde 2019 dafür ein Nachhaltigkeitsbeirat gegründet und der Sustainability Action Plan 2020-2022 ins Leben gerufen, um die Copenhagen Fashion Week zu einer nachhaltigeren Event- und Industrieplattform zu machen. Auch die New York Fashion Week hat ihre Konzepte überarbeitet. Die Studie „Sustainability by Design – Rethinking New York Fashion Week“ des Council of Fashion Designers of America in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2020 zeigt auf, wo Verbesserungspotenzial besteht. Die Basis bilden die 17 Nachhaltigkeitsziele, anhand ihnen entstehen Möglichkeiten für mehr Nachhaltigkeit. Die Lösungen reichen von alternativen Schauenkonzepten und erweiterten Onlineangeboten über die Wiederverwendungx von Dekor oder die Austragung der Veranstaltung in zertifiziert nachhaltigeren Gebäuden und Anlagen. Außerdem entstehen Einsparpotenziale durch die lokale Produktion von Samples und Reduzierung von Verpackungsmüll. Die Zusammenarbeit mit lokalen Kunstschaffenden oder Charity-Organisationen sowie Events zum Thema Nachhaltigkeit können das Publikum zudem sensibilisieren.

Future of Fashion

Die Zukunft der Mode mitgestalten – das funktioniert unter anderem durch die Bereitschaft aller Beteiligten in der Branche, sich für einen Wandel hin zu einem „New Normal“ einzusetzen. Auch die UN fordert Mut zur Veränderung: Durch inspirierende Ansätze wie den „Open Call for SDG Good Practices“ hat das Department für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen zum ersten Mal in 2018/19 Stakeholder dazu aufgefordert, von erprobten Lektionen, Erfahrungen und Erfolgsgeschichten zu berichten, die durch die Implementierung der Agenda 2030 und der SDGs in ihre Arbeit aufkamen – mehr als 500 „Good Practices“ kamen bereits zusammen. Aktuell läuft der zweite Open Call: Bis zum 28. Februar 2021 können Unternehmen ihre bewährten Praktiken einreichen, um so andere rund um den Globus zu inspirieren. Mit diesen Möglichkeiten und vereinten Kräften kann sich eine nachhaltigere Modeindustrie, ja sogar eine nachhaltigere Welt, entwickeln. Es steht noch ein langer Weg bevor, die ersten Schritte sind jedoch gegangen.

Alisa Keil

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Weitere Informationen finden Sie hier:

Council of Fashion Designers of America & Boston Consulting Group, 2020. Sustainability by Design – Rethinking New York Fashion Week.
Conscious Fashion Campaign
Open Call for SDG Good Practices
Frankfurt Fashion Week

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Foto: Flaunter

Tags

  • Nachhaltigkeit
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