Überspringen
Clare Press auf der Neonyt Bühne
Zurück zur Übersicht

Nachgefragt: Clare Press, Sustainability Editor-at-Large Vogue Australia

Water x Fashion

Clare Press gilt als Gallionsfigur der eco-fairen Modebewegung und leidenschaftliche Modeaktivistin. Die gefragte Expertin für Ethical Fashion ist erfolgreiche Buchautorin, Podcasterin (The Wardrobe Crisis) und schreibt seit beinahe zwei Jahrzehnten für einschlägige Magazine, wie aktuell als Sustainability Editor-at-Large für die australische Vogue. Darüber treibt Clare Press als gefragte Rednerin und Moderatorin auf internationalen Branchenevents den Paradigmenwechsel in der Mode aktiv voran.

März 2019

Liebe Ms. Press, im Januar 2019 eröffneten Sie mit Ihrer Keynote Speech „We are Water“ die internationale Konferenz Fashionsustain auf der Neonyt in Berlin. Warum ist es so wichtig, dass Modeindustrie und Konsumenten jetzt umdenken und einen neuen Umgang mit der Ressource Wasser kultivieren?

Viele von uns sehen den Zugang zu Wasser als selbstverständlich an. Im Jahr 2019 können wir uns das nicht erlauben. Wasser ist eine extrem wertvolle Ressource – ohne Wasser, kein Leben. Die steigende Nachfrage durch die Industrie und die wachsende Bevölkerung gepaart mit erhöhter Wasserverschmutzung üben Druck auf die Versorgungslage aus. Daher ernannte die UN dieses Jahrzehnt (ab 2018) zum Wasser-Aktions-Jahrzehnt.
Die Modeindustrie verbraucht große Mengen an Wasser. Laut des Berichtes Pulse of Fashion der Global Fashion Agenda, nahm die Industrie im Jahr 2015 fast 79 Milliarden Kubikmeter in Anspruch – dies entspricht 35 Millionen olympischen Schwimmbädern. Ich denke es ist an der Zeit, dass wir uns selbst fragen, ob das gerechtfertigt ist. Wenn es Menschen gibt, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, und wir Wasser für Nutzpflanzen benötigen, sollten wir dann so viel Wasser verbrauchen, um Kleidung herzustellen? Konventionell angebaut und bewässerte Baumwolle ist das Aushängeschild für durstige Mode. Sie haben wahrscheinlich die Statistiken und Instagram-Kacheln gesehen, die sagen: Es werden bis zu 2.700 Liter Wasser benötigt, um ein T-Shirt herzustellen. Und bis zu 10.000 Liter für eine einzige Jeans. Wir brauchen neue Methoden, Systeme und neues Design-Thinking, um den Wasser-Fußabdruck der Mode zu reduzieren.

Gibt es Pioniere und vielversprechende Innovationen an der Schnittstelle von Wasser und Mode, die beweisen, dass ein Wandel möglich ist?

Auf jeden Fall. Und immer mehr. Ich fand es interessant, das schwedische Unternehmen We are Spindye kennenzulernen, das auch auf der Neonyt präsent war. Das Unternehmen hat einen Prozess entwickelt, bei dem Polyester gefärbt wird, bevor es zu Garn gesponnen wird. Die Technologie des in New York ansässigen Unternehmens ColorZen modifiziert die molekulare Struktur der Baumwolle so, dass sich Farbstoffe leichter an sie binden können. Sie sagen, dass durch diesen Prozess die zum Färben benötigte Wassermenge um 90% reduziert werden kann. Eines der spannendsten Innovationsgebiete ist zudem das Recycling, bei dem sehr schnell Fortschritte verzeichnet werden. Früher war es praktisch unmöglich, Altkleiderabfälle aus Geweben mit Mischfasern zu recyceln – Polyester-Baumwoll-Mischungen beispielsweise. Aber Pioniere wie Evrnu haben herausgefunden, wie dies möglich ist. Osomtex, ein weiteres amerikanisches Start-Up, wendet statt eines chemischen ein mechanisches Verfahren an, um Verbraucher-Abfälle zu qualitativ hochwertigem Garn zu recyceln. Ihr Schredder-Prozess verbraucht kein Wasser.

Die Fashionsustain-Konferenz war Teil des globalen Hubs Neonyt, der vom 15. bis zum 17. Januar 2019 im Rahmen der Berlin Fashion Week erstmals seine Tore öffnete. Welche persönlichen Eindrücke, Erkenntnisse oder Begegnungen haben Sie von der Neonyt mitgenommen?

Ich war sehr beeindruckt und kann es kaum abwarten, zurückzukommen. Ich habe die Energie der Veranstaltung und die Mischung geliebt: die ausstellenden Marken, die Podiumsdiskussionen, die Modenschau und die Energie der Beteiligten. Ich habe tatsächlich viele Menschen und Marken kennengelernt, die ich bisher noch nicht kannte. Ich habe also Neues entdeckt, was für Journalisten immer fantastisch ist. Mir hat es auch gefallen, dass etablierte Namen involviert waren. Ich habe die Kreativ-Direktorin der Neonyt, Magdalena Schaffrin, letztes Jahr auf der Helsinki Fashion Week kennengelernt und ich denke, dass auf ihre Energie und Leidenschaft gezählt werden kann!
Im Nachhaltigkeitsbereich sprechen wir viel über Offenheit, Zusammenarbeit und Gemeinschaft, aber es wird nicht genügend praktiziert. Auf der Neonyt habe ich das alles jedoch gesehen. Es war zum Beispiel inspirierend, dass Redner von Inditex (zu dem Zara gehört) mit Greenpeace und WWF eine Bühne teilen, um die Thematik des Wasser-Verbrauchs in der Mode anzusprechen. Das war bahnbrechend.

Inwieweit ist die Thematik der nachhaltigen Mode in den wichtigsten Modemagazinen von heute und im Bereich der Luxus-Mode angekommen? Welche Entwicklungen können beobachtet werden und was ist Ihre Prognose für die Zukunft?

In den letzten zwei Jahren hat sich viel verändert. Ich habe 2013, nach Rana Plaza, begonnen, in diesem Feld zu arbeiten, während ich für mein Buch Wardrobe Crisis. How we went from Sunday Best to Fast Fashion recherchiert habe. Zu dieser Zeit waren Gespräche über ethische und nachhaltige Mode immer noch eine ziemliche Nische.
Nun fängt die Mainstream-Modepresse an, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich war die erste Nachhaltigkeitsredakteurin der Welt, nun gibt es immer mehr. Wir sehen ein steigendes Interesse des Verbrauchers an Themen wie Transparenz der Lieferkette, Kreislaufwirtschaft, im Labor entwickelte Stoffe oder stoffliches Recycling. Es werden auch immer mehr nachhaltige Mode- und Accessoireslabels gegründet und immer mehr Blogger und Influencer interessieren sich dafür.
Meiner Meinung nach ist der Luxus-Sektor tatsächlich der Sektor, der sich am langsamsten verändert. Sportgiganten wie Nike und Adidas sind weit voraus und auch die großen Fast-Fashion-Marken führen Neuerungen ein - zum Teil, weil sie es müssen. Fragen Sie sich: Was ist die Alternative zu nachhaltiger Mode? Unvertretbare Mode! Mal im Ernst, wer soll sich dafür interessieren?

#Clare Press #Nachhaltigkeit #Modeindustrie #Neonyt #Fashionsustain

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.clarepress.com
neonyt.messefrankfurt.com
neonyt.messefrankfurt.com/berlin/de/programm-events/fashionsustain.html

Tags

Die Messe Frankfurt verwendet Cookies, um Ihnen das bestmögliche Besuchserlebnis bieten zu können. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen