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The Fabricant – "Deep" digital collection
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Texcycle #5

Virtual Design und Sampling

Mit zunehmender Perfektion der CAD-Software und dreidimensionalen Bildgebung müssen Designentwicklung und Musterkollektionen – ja sogar das „fertige“ Kleidungsstück – den Bildschirm gar nicht mehr verlassen.

Bevor ein Entwurf in die Produktion geht, durchläuft er normalerweise ein streng vorgegebenes Sampling-Verfahren mit wiederholter Erstellung zahlreicher Muster, die bis zur endgültigen Genehmigung zwischen Designteam und Hersteller/n sowie Kunden hin und her gehen. Jedes neue Muster bedeutet einen Mehraufwand an Zeit, Geld und Ressourcen, was das gesamte Verfahren sehr verlangsamt und ineffizient macht. Dank der Fortschritte in den Bereichen Cloud-Computing, CAD und 3D-Software wird jetzt aber der Versand physikalischer Muster in alle Welt vielleicht schon bald der Vergangenheit angehören.  

Prototyping-Software in der Bekleidung, z.B. Vidya (Assyst), Runway 3D (Optitex), VStitcher (Browzwear) und CLO, ermöglicht eine realitätsgetreue Bekleidungssimulation, die im Hinblick auf Passform, Stoffeigenschaften und Drapierverhalten auf menschlichen Avataren in allen Formen und Größen geprüft und per Knopfdruck verändert werden kann. Weil die Produktdaten in der Could gespeichert sind, können alle am Prozess beteiligten Parteien die neuesten Updates sehen und in Echtzeit zusammenarbeiten, egal wo sie sich gerade befinden. Für das vollständige dreidimensionale Erlebnis lassen sich die Entwürfe mit Mixed-Reality-Headsets wie Microsoft HoloLens oder X-Rite Virtual Light Booth virtuell zum Leben erwecken und noch präziser bearbeiten.

Die unterschiedlichen Beschaffenheiten des Stoffs mit allen seinen Eigenschaften im Hinblick auf Falten, Drapierverhalten und Bindung, haben lange eine Simulation in virtuellen Umgebungen erschwert, aber mit der Einführung von dreidimensionalen Materialscannern, wie der X-Rite Pantone TAC7 Scanner, werden physikalische Stoffproben jetzt in fotorealistische digitale Dateien umgewandelt, die ganz genau Farbe, Bindung, Glanz und Transparenz des Materials erfassen. Textilfirmen könnten daher ihre Kataloge online hochladen, statt unzählige Muster zu versenden, was erheblich zur Einsparung von Versandgebühren und Ressourcen beiträgt.

Im Zeitalter der Sozialen Medien, in dem das Bild so überaus wichtig ist, spielt es wirklich keine Rolle, ob man die Kleider, die man trägt, auch besitzt, oder ob man sie überhaupt jemals „getragen“ hat. 2018 brachte der skandinavische Einzelhändler Carlings eine digitale Kapsel-Kollektion heraus. Die Kunden laden für virtuellen Käufe ihr Foto hoch. Anfang 2019 verkaufte das digitale Modehaus The Fabricant ein "Blockchain Dress" für US $ 9.500, das nur online existiert. Solche Beispiele sind eine Herausforderung für den Modebedarf in der realen Welt und die Folgen seiner integrierten Alterung, nämlich Abfall.

Das Aufkommen von KI-Modedesignern zeichnet sich ebenfalls ab. Viele Maschinenlernalgorithmen wie StyleSnap von Amazon helfen den Kunden schon heute, Kleidungsstücke mit Fotos zu finden, die sie aus Sozialen Medien und Internetsuchanfragen hochladen. Statt um ihre Arbeitsplätze Angst zu haben, könnten Designer im echten Leben durch KI erzeugte Trenddaten nutzen, um besser zu verstehen, was die Kunden suchen und entsprechend zu planen. Alle diese Technologien können deshalb den Abfall in der Designentwicklung deutlich begrenzen und verringern. Doch Tempo- und Effizienzsteigerungen bedeuten nicht, dass die Marken diese Möglichkeit ergreifen sollten, um noch mehr zu produzieren.  

Nächstes Mal befassen wir uns mit neuen Produktionsmethoden, ganz ohne Mindestmengen, lange Lieferzeiten und Überbestände, weil immer nur das zu dem gewünschten Zeitpunkt in der jeweiligen Menge gewünschte Produkte hergestellt wird.

Von: Mairi Hare im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen Sourcebook GmbH und Texpertise Network.

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