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Raus aus der Komfortzone
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Nachgefragt: Bert van Son, Geschäftsführer und Gründer von Mud Jeans

Raus aus der Komfortzone

Verleihen, reparieren, wiederverwenden – die niederländische Brand Mud Jeans revolutioniert seit 2013 die Denim Branche. Vom 2. bis zum 4. Juli 2019 präsentiert das Label die neue Kollektion für SS20 während der Neonyt im Kraftwerk Berlin. Wir haben mit Bert van Son über Verleihsysteme von Big Playern wie Urban Outfitters und die Herausforderungen der nachhaltigen Jeansproduktion gesprochen.

Juli 2019

Immer mehr große Retailer führen Verleihsysteme für Klamotten ein. Auch Urban Outfitters plant Kleidung - darunter Jeans von Levi's, Wrangler und Citizens of Humanity - zu vermieten. Bert van Son, Sie haben bereits 2013 mit der Vermietung von Jeans begonnen. Gehen jetzt Unternehmen wie Urban Outfitters einen Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Textilbranche?

Ich weiß nicht, wie diese Unternehmen ihre Jeans herstellen, ob sie nachhaltig produziert werden und in den Fabriken Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fair behandelt werden oder ob das nur der Selbstdarstellung dient. Bei Zirkularität geht es um viel mehr als ein Verleihsystem. Sie fängt bereits im Designprozess an. Beispielsweise können durch das Verzichten auf Leather Patches, Produkte aus Monomaterialien hergestellt werden. Es muss Verantwortung für die Rohstoffe übernommen werden. Wir bieten einen Reparaturservice an, damit die Jeans möglichst lange halten. Zudem braucht es eine Logistik, um die Jeans für die Wiederverwertung zurückzuführen. Wir sind uns zu hundert Prozent sicher, dass unsere Jeans für die Herstellung neuer Mud Jeans verwendet werden. Sie werden nicht einfach durch Downcycling zu Isoliermaterial weiterverarbeitet. Die Kontrolle über diesen kreislauffähigen Prozess zu haben, ist keine leichte Aufgabe. Bei Zirkularität geht es schließlich darum, gegen Fast Fashion und die Wegwerfkultur anzugehen. Wir haben eine saisonübergreifende Kollektion mit Denim Essentials kreiert. Also ja, es ist sehr wichtig mehr Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen. Entscheidend ist jedoch, dass Zirkularität ganzheitlich betrachtet und umgesetzt wird.

Was sind die größten Herausforderungen für die Denimindustrie, um ihre negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu reduzieren?
Die Hauptressourcen für Denimprodukte sind herkömmlicher Weise konventionelle Baumwolle, Chemikalien und Wasser - und davon sehr viel. Um die Denimindustrie auf nachhaltigere Materialien und Prozesse umzustellen, ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich. Nachhaltigkeit muss in jedem Schritt der Lieferkette mitgedacht werden. Materialien, Produktionsprozesse, Wasser- und Chemikalienverbrauch, CO2-Emissionen, Arbeitnehmerrechte, Löhne, Arbeitsklima und vieles mehr müssen mitgedacht werden.

Das Problem mit herkömmlichen Denims beginnt bei der Faser: Baumwolle, wird auch als eine „schmutzige Kulturpflanze“ bezeichnet. Um zu wachsen, benötigt konventionelle Baumwolle viele Ressourcen, Platz und Pestizide. Um Veränderungen herbeizuführen, müsste die Industrie auf recycelte und organische Materialien umsteigen. Zudem sind sowohl die Herstellung von Denimstoffen als auch die Waschung von Jeans extrem wasser- und chemikalienintensive Prozesse. Es gibt bereits viele innovative Verfahren, um giftige Farbstoffe, PP Sprays und Sandstrahler zu ersetzen. An dieser Stelle geht es eher um die Umsetzung als um die Entwicklung.

Unser tunesischer Bekleidungshersteller Yousstex International verfügt beispielweise über ein Wasserfiltersystem, welches das Produktionswasser zu 95 Prozent aufbereitet. Die restlichen fünf Prozent verdunsten und werden mit Regenwasser aufgefüllt, sodass kein Frischwasser nötig ist. Die Denim werden anstelle von aggressiven Chemikalien mit Ozon und Laser bearbeitet. Ein weiteres Beispiel ist Tejidos Royo, unsere spanische Textilfabrik. Dort wird Dampf aus der Produktion mithilfe einer Turbine in Energie umgewandelt. Dadurch kann sich das Unternehmen energieautark versorgen.

Auf der Neonyt präsentieren Sie die neue Kollektion von Mud Jeans. Welche Geschäftsmöglichkeiten erhoffen Sie sich von dem globalen Hub für Mode, Nachhaltigkeit und Innovation?
Wir sind auf der Suche nach Handelsvertretern aus den skandinavischen Ländern, Großbritannien und Frankreich. Außerdem möchten wir mit großen Einzelhändlern in Deutschland zusammenarbeiten, die unsere Geschichte wertschätzen und weitererzählen möchten. Bisher verkauft noch keiner der „Big Player“ unsere Jeans. Es scheint, als fehle den Großen der Mut eine neue, nachhaltige Marke anzubieten, während der Verbraucher immer besser informiert ist und nachhaltige Alternativen einfordert. Der Klimawandel muss jetzt ernsthaft angegangen werden, die Zeit rennt. Die Einkäufer der großen Einzelhändler müssen ihre Komfortzone verlassen.

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.mudjeans.eu

www.neonyt.messefrankfurt.com/berlin/de.html

 

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