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Messe goes phygital
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Perspektiven: Digitale Tools für Messen

Messe goes phygital

Online- und Offlinewelten verschmelzen immer mehr miteinander: Die Messe von morgen ist phygital – digitale Tools ergänzen die physischen Begegnungen und liefern Ausstellern und Besuchern einen Mehrwert. Erste Einblicke in das Event von morgen lieferten die diesjährigen Sommerausgaben der Neonyt und der Texworld USA: Live-Interviews und digitale Podiumsdiskussionen vernetzten die Communities und informierten über aktuelle Branchenthemen.

Juli 2020

Zwischen Krise und neuen Möglichkeiten: Covid-19 stellt die Welt seit einigen Monaten auf den Kopf. Die Auswirkungen der Pandemie zeigen sich auch im Messebusiness. Viele Messen wurden verschoben, einige finden dieses Jahr gar nicht statt: „Aber solange ein persönlicher Austausch nur sehr eingeschränkt möglich ist, müssen wir virtuelle Formate definieren, die diese Zeit des Social Distancing überbrücken“, sagte Olaf Schmidt, Vice President Textiles and Textile Technologies bei der Messe Frankfurt, im April. Wie bleibt man trotz Großveranstaltungsverbot in Verbindung? Wie kommen Branchen besser durch diese schwierige Zeit? Digitale Lösungen helfen dabei. In Deutschland ging die Digitalisierung nur langsam voran. Doch die Corona-Pandemie zeigt, wie die Welt von morgen aussehen könnte: Businesscalls statt Businesstrips, zuhause statt unterwegs, agil statt starr. Die Zeit ist reif, um alte Arbeitsweisen zu hinterfragen und neue Wege einzuschlagen.

Online und onsite

Wie das aussehen kann, zeigen die virtuellen Sommerausgaben einiger Messen, die die Branchen digital zusammengebracht haben: live und in Farbe, aber sicher und von Zuhause aus. Die Texworld USA, die Apparel Sourcing USA und die Home Textiles Sourcing Expo boten vom 21. bis 23. Juli 2020 eine Online-Plattform an. Talks, Präsentationen und Seminare vernetzten das Publikum und informierten über aktuelle Branchenthemen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz ermittelte ein Programm den Online-Besuchern relevante Lieferanten und stellte Kontakt her. Die Gartex Texprocess India hält Interessenten noch bis zu dem neuen Termin im Dezember mit Webinaren rund um das Thema Nachhaltigkeit in der Bekleidungs- und Textilbranche auf dem Laufenden.

Auch die Sommerausgabe der Neonyt, dem globalen Hub für Mode, Nachhaltigkeit und Innovation, fand dieses Jahr digital statt. Vom 13. bis 17. Juli 2020 verwandelten sich die Social-Media-Kanäle von Neonyt und dem internationalen Konferenzformat Fashionsustain in eine Plattform des Austauschs. Live-Interviews, Podiumsdiskussionen, Statements: Experten diskutierten bei „Neonyt on Air“ Themen rund um Business, Lifestyle und Digitalisierung und zeigten erneut, dass Ausgangsbeschränkungen kein Hindernis für die Vernetzung der Modebranche sein müssen. Vordenker erklärten, wie digitale Tools dabei helfen werden, Mode in den nächsten Jahren zu transformieren: „Digitalisierung wird in der Modebranche genauso selbstverständlich werden wie Nachhaltigkeit“, sagte CEO und Gründer von The Brand Show Circular, Saydou Bangoura in einer Talkrunde der Neonyt on Air. The Brand Show Circular ist eine B2B-Marketing- und Orderplattform, die sich auf nachhaltige Mode fokussiert. Aussteller und Käufer begegnen sich digital und können unabhängig von Ort und Zeit Geschäfte miteinander machen.

Auch die Wholesale- und Data-Exchange-Plattform JOOR macht sich das zum Ziel. 8.600 Marken und 2.600 Käufer kommen bei JOOR zusammen. Gemeinsam mit der Premium Group haben sie mit JOOR Passport einen virtuellen Showroom kreiert, den sie bei Neonyt on Air vorstellten. „Angesichts der anhaltenden Geschäftsunterbrechungen durch die Covid-19-Pandemie, sahen wir einen großen Bedarf, den Markt technologisch zu revolutionieren und das Modell der Fashion Week neu zu gestalten“, erklärt Kristin Savilia, CEO von JOOR. Die Zusammenarbeit der Neonyt mit The Brand Show Circular und JOOR ermöglicht den Ausstellern die Nutzung aller digitalen Services der B2B-Orderplattformen und hilft ihnen, die Zeit ohne onsite Veranstaltungen zu überbrücken.

Durch online Handelsportale können Besucher ganzjährig direkt bei den Ausstellern bestellen. Damit entfallen zeit- und kostenaufwendige manuelle Bestellungen vor Ort und es bleibt mehr Zeit für den Austausch. Ein erfolgreiches Beispiel der Messe Frankfurt für eine solche Plattform ist Nextrade. Der digitale B2B-Marktplatz für Konsumgüter im Bereich Home & Living ist seit Oktober 2019 online. „Dass wir damit den Nerv der Zeit treffen, zeigt die Vielzahl an positiven Reaktionen und Lieferantenanmeldungen“, sagt Philipp Ferger, Geschäftsführer von nmedia sowie Bereichsleiter Tendence und Nordstil. Mit der Plattform hat die Messe Frankfurt das Angebot der Ambiete und der Tendence erweitert. Davon profitieren Händler und Käufer gleichermaßen.

Digitale Helfer

Die digitale Ergänzung der Messen und die neuen Denkansätze in der Branche zeigen, wie die Zukunft aussehen könnte: flexibel, digital, dynamisch. Virtuelle Messeangebote sind eine gute Alternative, wenn persönliche Begegnungen nicht möglich sind, doch sie werden die Zusammentreffen vor Ort nicht ablösen können: „Mode lebt von Persönlichkeiten, Inszenierung und Inspiration. Da können digitale Formate begleiten, aber keinen vollen Ersatz bieten“, so Neonyt Show Director Thimo Schwenzfeier. Der Wunsch nach persönlichen Treffen in der Branche ist groß. Die Möglichkeiten einer digitalen Begleitung der Veranstaltungen sind vielfältig. Phygitale Messen, also Messen die nicht nur physisch und sondern auch digital stattfinden, erweitern das bisherige Messeangebot.

Ob bei der Planung der Messe, der Durchführung oder der Nachbereitung: Technische Mittel helfen auch dabei, das Messeerlebnis vor Ort noch angenehmer zu gestalten. Bereits vor der Messe unterstützen digitale Anwendung die Aussteller und Veranstalter bei der Planung der Stände. Über online-Konfiguratoren können Aussteller ihren Stand so lange unverbindlich optimieren, bis er ihren Vorstellungen entspricht. Einen besonderen Mehrwert bieten außerdem Matchmaking-Tools, welche Besuchern dabei helfen, schon vor der Veranstaltung für sie relevante Lieferanten zu filtern. Interessenabgleich per Website: Aussteller befüllen das Programm mit Informationen zu ihren Produkten und Zielgruppen und Besucher geben ihre Interessen an. Der Kontakt kann anschließend direkt über das Tool hergestellt werden.

Welche Messebereiche und Ausstellungen sind besonders gut besucht? Welche Messegäste interessieren sich für welche Themen? Mit Kameras und Heatmaps werden Besucherströme analysiert. Mit diesen Informationen können Aussteller ihren Messeauftritt noch effektiver gestaltet und die Veranstalter können Messestände passend platzieren. Hilfreich ist das aber auch bei ganz pragmatischen Angelegenheiten, wie der Haustechnik, der Security oder der Reinigung: Wenn besonders große Besucherströme die Toiletten aufgesucht haben, wird das Reinigungspersonal direkt benachrichtigt.

Flyer, Broschüren und Plakate waren gestern: Digital-gesteuerte Wegleitsysteme helfen Besuchern sich schnell auf dem Messegelände zurechtzufinden: Über Displays oder Apps bekommen Besucher gezielte Informationen zugespielt und müssen sich nicht erst durch eine Informationsflut kämpfen, um Stände zu finden. Lange Schlangen, verpasste Termine oder gestresste Messegäste gehören damit der Vergangenheit an.

Neue Realitäten

Eine große Chance für ein umfangreiches Messeerlebnis bieten Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). VR ist eine künstliche Wirklichkeit, erzeugt durch Hard- und Software. „Das Thema Virtual Reality ist ursprünglich als Konkurrenz zum Kommunikationsmedium Messe diskutiert worden.“, erklärt Dr. Peter Neven, Geschäftsführer des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft e.V. „Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass Messen auch in Zukunft als wichtiges Instrument zur persönlichen Begegnung zwischen Unternehmen und ihren Zielgruppen dienen und ihre Akzeptanz weiter hoch bleibt.“ VR-Brillen können Messebesuche ergänzen. Wie kann das ausgewählte Material für meine Kollektion eingesetzt werden? Wie passt dieser Stoff zu meinem Design? Besucher müssen sich Produkte nicht mehr nur vorstellen, sondern sehen sie direkt durch die VR-Brille. Durch die AR, die erweiterte Realität, können Besucher mithilfe von Apps Zusatzinformationen zu Produkten erhalten oder an digitalen Führungen und Vorträgen teilnehmen. Bei Gaming-Messen ist die Nutzung solcher Softwares schon jetzt gängig.

3D-Druck, BigData und Künstliche Intelligenz: Die Technik verbirgt noch viele weitere Chancen und Möglichkeiten, um aus dem Messebesuch ein Messeerlebnis zu schaffen. Es geht nicht nur darum, alte Prozesse zu digitalisieren, sondern neue zu kreieren. Messen müssen nicht nur moderne Produkte und Innovationen präsentieren, sie müssen sie auch vorleben. Zukünftige Messen sind phygital – digitale Tools werden physische Events unterstützen. Denn die digitalen Ausgaben der Messen haben auch gezeigt, wie wichtig persönliche Begegnungen und der Austausch vor Ort sind. Digitale Angebote erweitern diese, können sie aber nicht ersetzen. Jetzt ist die Zeit, die Messe von morgen zu gestalten.

Sarah Malik

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Weitere Informationen finden Sie hier:

Pressemitteilung: Neonyt on Air: Community Power

https://neonyt.messefrankfurt.com/berlin/de.html

https://neonyt.messefrankfurt.com/berlin/de/programm-events/fashionsustain.html

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Foto: Lucrezia Carnelos

Tags

  • Innovationen
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