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Nachgefragt: Lindita Xhaferi-Salihu, UN Global Climate Outreach Officer

Fashion Industry Charter for Climate Action – Kick-start für eine grünere Modeindustrie

Unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen erarbeiteten Akteure der Modeindustrie im Jahr 2018 die „Fashion Industry Charter for Climate Action“, die ganzheitliche Klimaschutzmaßnahmen für den Bekleidungssektor definiert und bis 2030 auf eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um 30% abzielt. Lindita Xhaferi-Salihu, UN Global Climate Outreach Officer, legt dar, was die Charta beinhaltet und berichtet über Fortschritte und Herausforderungen.

Januar 2019

Frau Xhaferi-Salihu, wie viele Unterzeichner hat die Fashion Industry Charter for Climate Action bisher? Was streben diese an?
Die Charta hat 45 Unterzeichner und weitere sind in Vorbereitung. Die Unterzeichner verpflichten sich bis 2030 zu einer Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen um 30% entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ziel der Charta ist es, unterschiedlichste Fashion-Stakeholder mit ins Boot zu holen und der Modebranche zu zeigen, wie sich in Zukunft klimafreundlicher wirtschaften lässt. Die Vereinten Nationen setzen sich für die Zukunft dieses globalen Forums ein und unterstützen die Akteure dabei, gemeinsam Lösungsansätze für die vielfältigen Herausforderungen des Klimawandels zu finden und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Teilnehmende Marken und Unternehmen werden diese Reduktionsmaßnahmen implementieren, über sie berichten und ihre Emissionen stetig senken. Internationale Organisationen und zivilgesellschaftliche Verbände werden die Unternehmen dabei unterstützen, ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen und effektive Maßnahmen auf den Weg zu bringen.

Wie lassen sich diese Ziele erreichen?

Es wurden sechs Arbeitsgruppen gebildet, die einen Fahrplan für verschiedene Schlüsselprinzipien der Charta definieren. Die Themen sind zum Beispiel Dekarbonisierung, Materialien mit minimalen Auswirkungen auf das Klima, Clean Manufacturing. Die Arbeitsgruppen werden vorhandene Tools und Ressourcen nutzen, Wissenslücken identifizieren und aktiv angehen. Des Weiteren sollen sie klären, wer in zukünftige Gespräche miteinbezogen werden muss und wie in Schlüsselregionen stärkere Verbindungen zur Politik geknüpft werden können. Sie werden die Rolle von Landwirten, Zulieferbetrieben und Finanzinstitutionen beleuchten, die ebenfalls Teil der Arbeitsgruppen sein werden. Um die Ziele der Charta zu erreichen, müssen wir intensiv mit verschiedenen Partnern aus Wirtschaft und Politik zusammenarbeiten. Kollaboration wird der Schlüssel zum Erfolg sein.

Akteure der Modeindustrie wollen ihre Emissionen reduzieren – was sind hierbei die größten Herausforderungen?
Die Herausforderungen gleichen sich über alle Branchen hinweg. Vielen Unternehmen widerstrebt es, sich ehrgeizigen Zielen zu verpflichten ohne eine konkrete Strategie, um dorthin zu gelangen. Bisherige Ansätze und Geschäftsmodelle reichen nicht aus, um dem Klimawandel wirklich etwas entgegenzusetzen. Unseren Fashion-Stakeholdern ist bewusst, dass ein durch konkrete Maßnahmen untermauerter tiefgreifender Wandel des derzeitigen Modesystems erforderlich ist, um die Klimaagenda effektiv umzusetzen. Punktuelle Aktionen und Maßnahmen einzelner Marken setzen zwar prinzipiell positive Signale, reichen jedoch nicht aus, um die Modebranche in Richtung Transformation zu bewegen. Damit dies gelingt, ist es notwendig, alle Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit ihren individuellen Kenntnissen und Kapazitäten an einen Tisch zu bringen, gemeinsam vorhandene Gesetzeslücken zu schließen und die Transparenz voranzutreiben. Um die bestehenden Herausforderungen als Chance zu nutzen, gilt es daher einen Ansatz zu entwickeln, der die gesamte Wertschöpfungskette einschließt. Und genau darauf zielt die Fashion Industry Charter for Climate Action ab. Kein Branchenakteur ist groß genug, um die Herausforderungen des Klimawandels im Alleingang bewältigen zu können. Nur übergreifende Maßnahmen, gemeinsame Strategien, Ziele und Innovationen haben die Kraft, die Vision der Charta zu verwirklichen.

Wie groß ist der Einfluss der Modeindustrie auf das Klima im Vergleich zu anderen Branchen?
Über die Treibhausgasemissionen der Modebranche gibt es bisher keine einheitlichen Zahlen. Sicher ist jedoch, dass die Modeindustrie für erhebliche Emissionen verantwortlich ist, die weiter zunehmen werden, falls wir nicht entsprechend gegensteuern. Dies umfasst unter anderem Emissionen, die bei der Herstellung, der Verarbeitung, dem Transport, der Verwendung und der Entsorgung von Textilien entstehen. Aktuelle Analysen schätzen den Anteil der Modebranche auf 2 bis 8% der weltweiten Emissionen. Unabhängig davon, wo die Modeindustrie im Vergleich zu anderen Branchen steht, gilt: Wenn wir eine Chance haben wollen, unter zwei Grad Celsius Klimaerwärmung zu bleiben, ist es entscheidend, dass jede einzelne Branche ihren negativen Beitrag zum Klimawandel deutlich reduziert. Im Rahmen der Charta befasst sich die Modebranche nun mit ihren Emissionen und arbeitet aktiv daran, das vorherrschende System von innen heraus zu verändern. Darüber hinaus besitzt das Segment Mode das Potenzial, andere Branchen zu beeinflussen. Zum Beispiel kann die Modeindustrie ihre Kaufkraft gezielt nutzen, um kohlenstoffarme Lösungen in der Landwirtschaft, in der Produktion und der Logistik einzufordern und voranzutreiben. Kaum ein anderer Industriezweig ist derart prädestiniert dafür, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und die Verbraucher mit ins Boot zu holen, die ihrerseits die Macht besitzen, die Industrie in Richtung einer emissionsfreien Zukunft zu bewegen.

#Lindita Xhaferi-Salihu #Fashion Industry Charter for Climate Action #United Nations #Klimawandel

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://unfccc.int/news/milestone-fashion-industry-charter-for-climate-action-launched

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