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Detlef Braun, Kerry Bannigan, Lilliffer Seiler
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Nachgefragt: Kerry Bannigan, Gründerin der Conscious Fashion Campaign

Eine Blaupause für eine bessere Zukunft

Kerry Bannigan ist Gründerin der Conscious Fashion Campaign, die die Lücke zwischen Politik und Modeindustrie schließt. Bannigan verrät im Interview wie es zu der Kollaboration mit den Vereinten Nationen kam, welche Unternehmen bereits dabei sind und was als nächstes geplant ist.

Januar 2020

Sie haben das Pilotprojekt der Conscious Fashion Campaign im Jahr 2018 gegründet, um gemeinsam mit der Modebranche den Wandel für eine nachhaltigere Zukunft voranzutreiben. Offiziell startete das Projekt im Dezember 2019. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung, 17 Ziele, um unsere Welt nachhaltiger zu machen, bilden die Grundlage der Agenda. Welches der Ziele ist Ihrer Meinung nach das Wichtigste für die Branche?

Die Sustainable Development Goals dienen als Blaupause für eine bessere und gerechtere Zukunft für alle. Sie adressieren die globalen Herausforderungen, vor denen wir stehen, auch in Bezug auf Armut, Ungleichheit, Klimawandel, Umweltzerstörung, Frieden und Gerechtigkeit. Die Modebranche hat großen Einfluss auf einen Großteil, wenn nicht auf alle diese Herausforderungen. Das siebzehnte Sustainable Development Goal „Partnerships for the Goals” ist einer der Schlüssel für die Modebranche, um Veränderungen herbeizuführen. Das Potenzial für einen Wandel wächst exponentiell, je mehr Akteure sich engagieren. Wenn die Branche zusammenarbeitet, sich vernetzt, Erkenntnisse austauscht und Partnerschaften und Initiativen mit mehreren Interessengruppen schafft, kann sie die Zukunft der Mode aktiv mitgestalten. Es geht darum, innovative und nachhaltige Veränderungen zu bewirken, um die Sustainable Development Goals zu realisieren und unsere Kernaufgabe zu erfüllen.

Die Conscious Fashion Campaign arbeitet mit den Vereinten Nationen zusammen. Wie ist es zu der Kollaboration gekommen und wie sieht diese aus?

Genauer gesagt arbeitet sie mit dem United Nations Office for Partnerships zusammen. Wir diskutierten die Notwendigkeit, die Lücke zwischen der einflussreichen Modebranche und den Vereinten Nationen zu schließen, um die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu realisieren. Nach einem Pilotjahr zeigt sich, dass wir durch die Ausrichtung auf die weltweit führenden Events der Modebranche eine hohe Zahl an Entscheidungsträgern der Modebranche erreichen können. Modemarken und Einzelhändler ebenso wie Hersteller, Fabriken und Medien. Messen, Modewochen, Konferenzen und Vortragsreihen sind Teil der Modeevents.

Unsere Partnerschaft für die Kampagne zielt darauf ab, die Veranstalter globaler Veranstaltungen der Modebranche dazu zu bewegen, sich den Sustainable Development Goals zu verpflichten. Die Initiative setzt sich für Mode als einflussreichen Sektor ein, um die drängendsten Probleme der Welt anzugehen und eine Zukunft anzustreben, in der niemand zurückbleibt. Die Kampagne zielt darauf ab, den Wandel durch Interessenvertretung, Aufklärung und Engagement der Stakeholder der Industrie voranzutreiben, um so eine nachhaltige Zukunft für alle zu schaffen.

Wie sensibilisieren Sie die Industrie für die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen?

Um die Agenda 2030 zu erreichen, fordert die Conscious Fashion Campaign die Veranstalter führender Messen, Fashion Weeks, Konferenzen und Vortragsreihen auf, die Sustainable Development Goals in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren, Lösungen für die Kreislaufproduktion zu verwenden, wichtige Innovationen herauszustellen und den Wissensaustausch zu fördern.

Bisher haben wir uns in unserer Pilotphase hauptsächlich auf globale Messen konzentriert. Bei diesen Events wurde die Zusammenarbeit durch die Platzierung von Impact Symbolen in den Veranstaltungsverzeichnissen bis hin zur gezielten Suche nach Marken, die bessere Geschäftspraktiken implementieren, sichtbar. Auch spezielle Blogserien und Pop-ups, in denen nachhaltige Marken hervorgehoben wurden sowie Workshops und Seminare mit Vertretern der Vereinten Nationen und Branchenführern, Empfänge zur Würdigung der Arbeit von Brancheninnovatoren, Auszeichnungen für Industry Impact Leadership, Videoserien, Conscious Fashion Lookbooks und mehr. Jede der Messen hat die Conscious Fashion Campaign in die DNA ihres Events eingebettet und wir freuen uns auf die nächsten Schritte im Jahr 2020, in dem wir gemeinsam mit unseren Partnern wachsen werden.

Welche Unternehmen haben sich bereits der Conscious Fashion Campaign angeschlossen?

Im Bereich der Modemessen arbeiten wir mit dem Texpertise Network der Messe Frankfurt (Deutschland) – zum Beispiel im Rahmen der Neonyt in Berlin – zusammen. Weitere Messeveranstalter mit denen wir kollaborieren sind Informa (USA: Project, Coterie and Magic), Hyve (Großbritannien: Pure London), Who's Next (Frankreich: Impact) und Olah (New York, Amsterdam, London und China: Kingpins and Transformers).

Im Dezember 2019 haben wir die Conscious Fashion Campaign offiziell gelauncht. Die erste Ankündigung von Partnern im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York fand gemeinsam mit der Messe Frankfurt statt.

Was können Unternehmen tun, um eine umweltbewusste und sozial verträgliche Produktion sicherzustellen?

Unternehmen können die Sustainable Development Goals als Gerüst verwenden, um auf spezifische Probleme zu reagieren, sich ihnen zu stellen und Lösungen in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren. Die Sustainable Development Goals können eine wegweisende Ressource darstellen, um für ein neues Paradigma in der Mode einzutreten und das Bewusstsein für umweltbewusste und sozial verträgliche Prinzipien für eine nachhaltige Zukunft zu schärfen. Die Modebranche ist komplex und jedes Unternehmen muss verschiedenste Aspekte von der Lieferkette bis zur Abfallentsorgung überprüfen. Die hoffnungsvolle Nachricht ist, dass jeder und jedes Unternehmen eine Rolle dabei spielt, um für eine bessere Welt für alle einzutreten.

Was können Sie über die Pilotphase der Conscious Fashion Campaign erzählen?

Im vergangenen Jahr haben wir uns im Rahmen unseres Pilotprojekts für globale Aktivitäten engagiert, um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie Nachhaltigkeit zurzeit im Rahmen von Modeevents thematisiert wird. Unsere Aktivitäten bestanden darin, prominente Unterstützer und Partner in den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und China zu finden. Zudem haben wir die Sustainable Development Goals über 96.000 Einzelhändlern in 87 Ländern vorgestellt und arbeiten global mit 460 Conscious Fashion Brands zusammen. Gemeinsam mit dem United Nations Office for Partnerships hat die Conscious Fashion Campaign Workshops, Bildungsseminare und One-on-One Beratungen auf Messen organisiert. Zu den Teilnehmern gehörten Repräsentanten von GAP, Marks and Spencer, Ralph Lauren, Stella McCartney, Tommy Hilfiger und viele mehr. Im Rahmen der United Nations General Assembly 74th Session haben wir die Ergebnisse des Pilotprojekts gemeinsam mit der Lenzing Group und Avery Dennison vorgestellt.

Welche Schritte wird die Conscious Fashion Campaign in den nächsten fünf Jahren unternehmen?

Die Conscious Fashion Campaign verpflichtet sich dazu, die „Decade of Action und Delivery for Sustainable Development“ zu unterstützen. Dazu schließt sie die Lücke zwischen den Vereinten Nationen und globalen Modeevents, um die Sustainable Development Goals zu realisieren und Partnerschaften mit mehreren Interessengruppen einzugehen, die konkrete Handlungsstrategien benennen.

Die Conscious Fashion Campaign möchte weltweit führende Messen, Fashion Weeks, Konferenzen und Vortragsreihen dazu inspirieren, verantwortungsbewusstes Marketing, Betriebsabläufe und Logistik zu implementieren, bei denen die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen berücksichtigt werden. Die Kampagne ist bestrebt, unter Einbezug von Lösungen für die Abfallbewirtschaftung, die wichtigsten Modeveranstaltungen der Welt in kreislauffähige Produktionen umzugestalten.

 

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Weitere Informationen finden Sie unter:

www.consciousfashioncampaign.com

Facebook: @consciousfashioncampaign

Twitter: @consciousfash

Instagram: @consciousfashioncampaign

Tags

  • Nachgefragt
  • Nachhaltigkeit

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