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Karl-Hendrik Magnus, Seniorpartner bei McKinsey in Deutschland
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Nachgefragt: Karl-Hendrik Magnus, Seniorpartner bei McKinsey in Deutschland

Corona beschleunigt Systemveränderungen

Die Corona-Pandemie hat schwere Auswirkungen auf die ganze Welt. Auch die Textil- und Bekleidungsindustrie bleiben davon nicht verschont. Karl-Hendrik Magnus, Seniorpartner und Leiter der Apparel, Fashion & Luxury Group bei McKinsey in Deutschland, verrät im Interview, wie sich die Branche bereits in kurzer Zeit verändert hat.

Lockdown, Ladenschließungen und Rückgang der Kaufkraft – die Corona-Krise hat auch die Modebranche hart getroffen. Gibt es in Ihren Augen auch positive Auswirkungen der aktuellen Situation?

Ja. Wie jede Krise hat auch die Corona-Krise den Effekt, dass langfristig wichtige Systemveränderungen beschleunigt werden. Ein Beispiel ist die Digitalisierung der Lieferketten in der Modeindustrie. Die steht seit fast zehn Jahren auf der Agenda der Modeunternehmen, aber in den letzten Monaten wurden aus der Notwendigkeit heraus mehr Fortschritte erzielt als in den Jahren zuvor. So mussten zum Beispiel plötzlich physische Muster, die zuvor noch aufwändig zwischen dem Hersteller in Asien und der Modemarke in Europe hin- und hergeschickt wurden, digitalisiert werden. Dies beschleunigt die Prozesse und senkt Emissionen. Und jetzt da die Unternehmen sehen, dass es klappt, werden sie nicht wieder zum „Old Normal“ zurückkehren.

Wer nicht innoviert, verliert. Mit welchen Herausforderungen hat die Branche vor allem zu kämpfen, wenn es um den Fortschritt geht? 

Eine zentrale Herausforderung, die nur durch Innovation gelöst werden kann, ist die nötige Veränderung vom aktuellen, linearen Absatzmodell hin zu einer Kreislaufwirtschaft. Unsere aktuelle Studie „Fashion on Climate“ zeigt: Ohne diesen Schritt zu gehen, kann die Industrie langfristig unmöglich auf dem selbst gesetzten Nachhaltigkeitspfad bleiben – nämlich wie durch das Paris Agreement definiert, die Erderwärmung von 1,5 Grad nicht zu überschreiten. Die steigenden Emissionen durch das aktuelle Volumenwachstum im linearen Modell kann mit allen bekannten Maßnahmen zur Emissionsreduktion nicht ausreichend gemindert werden. Dazu bedarf es neuer zirkulärer Angebote und Lösungen. Diese erfordern technische Innovationen - z.B. rund um die Frage, wie Konsumenten die Produkte wieder in den Kreislauf zurückführen. Und auch Innovationen im Geschäftsmodell sind nötig - z.B. wie Modemarken Wertzuwachs aus dem Zweitmarkt erzielen können. 

Welche Anreize könnte man Unternehmen geben, damit sie sich für ein Erreichen der Klimaziele einsetzen und entsprechende Maßnahmen umsetzen?

Die stärksten Anreize setzt der Kunde durch seine Kaufentscheidungen und die Investoren durch ihre Anforderungen an nachhaltige Unternehmensstrategien. Zusätzlich sind weitere Anreize und Plattformen nötig, um die Zusammenarbeit zwischen allen Spielern in der Branche zu verstärken. Die Verteilung der aktuellen Emissionen in der Lieferkette zeigen, dass nur in enger Zusammenarbeit eine Kehrtwende erreichbar ist. Konkret müssen hier teilweise Investitionen geleistet werden, wie zum Beispiel in erneuerbare Energien in der Herstellung oder in Logistiklösungen, die die Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Diese Investitionen kommen allen zu Gute, sind aber von den einzelnen Unternehmen kaum zu stemmen. Hier können staatliche Anreize sehr effektiv sein, um diese Hürden zu überwinden.

 

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