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Heiko Wunder
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Interview: Heiko Wunder, Geschäftsführer und Inhaber, Wunderwerk

Egal ob Luft, Wasser oder Erde

Luft war das Leitthema der Neonyt, die vom 14. bis 16. Januar 2020 im Hangar 4 des Berliner Flughafen Tempelhof stattfand. Mit dabei war die Brand Wunderwerk für die CO2 in der Wertschöpfungskette eine besondere Rolle spielt. Wir haben Heiko Wunder, Mitbegründer von Wunderwerk und seit 2018 alleiniger Inhaber, getroffen und mit ihm über den ökologischen Fußabdrucks von Denims gesprochen.

Februar 2020

Texpertise Newsroom: Konventionelle Jeans werden meist unter dem Einsatz von umwelt- und gesundheitsbelastenden Chemikalien hergestellt. Wie schafft es Wunderwerk darauf zu verzichten?

Heiko Wunder: Ich habe sehr früh nach alternativen Möglichkeiten gesucht, Denim ohne giftige Chemikalien zu finishen und die erwünschten „used“-Optiken zu erzielen, noch bevor es Thema war. Bei meinen Aufenthalten besonders in Fernost, konnte ich mir kaum vorstellen, dass es für die Arbeiter gesund ist, sich den ganzen Tag in der Wäscherei aufzuhalten und mit den üblichen Chemikalien in Kontakt zu kommen, ganz zu schweigen von dem Abwasser. Auch das Filtern der Chemikalien, was damals als Non-Plus-Ultra zählte, war für mich keine Lösung, denn die Filter müssen ja auch irgendwo hin. Durch die Besuche von verschiedenen Wäschereien in China, Indonesien, Indien, der Türkei und Tunesien gab es eine ganze Reihe von alternativen Möglichkeiten, die zwar noch nicht so effizient waren, aber schon einen guten Ansatz boten.
Basierend auf dieser Erfahrung und in enger Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten, haben wir es geschafft, immer bessere Waschungen auf nachhaltige Weise zu erzielen, um den Marktansprüchen zu genügen und wirklich coole Waschungen zu erzielen. Anfangs noch fast ein Segen, verzichten wir inzwischen komplett auf Laser und hellen unsere Jeans fast ausschließlich mit Ozon, also dreifach gebundenem Sauerstoff, auf. Das geschieht in einem geschlossenen Kreislauf, bei dem weder die Menschen noch die Umwelt mit dem Ozon in Berührung kommen. Die 3D-Effekte, die beim Lasern ausbleiben, erzielen wir mit handgemachten Finishes. So erhält unser Denim ein Gesicht und ist mit unseren hochwertigen, teilweise exklusiven Denimstoffen wirklich authentisch. Neben den Chlorverbindungen, mit denen die konventionelle Herstellung von Denim normalerweise aufhellt, verzichten wir auch komplett auf Kalium-Permanganat. Das ist für uns seit Gründung ein No-Go und ist nach meiner Ansicht nicht zu verantworten, weder für die Menschen, die das auf die Jeans aufsprühen müssen, noch für die Umwelt. Insofern sind wir hier kompromisslos und dies ist in unserer DNA so verankert.

TN: Wie genau funktioniert die Airbrush-Technik mit Ozon beziehungsweise Sauerstoff zum Färben und Bleachen der Denims?

HW: Dies sind zwei völlig unterschiedliche Verfahren. Bei der Airbrush-Technik, mit der wir unsere bleached-Waschungen von 2014 bis 2017 hergestellt haben, haben wir zunächst ungefärbte naturfarbene Stoffe mit H2O2  aufgehellt und sie dann mit echten Farbspray-Pistolen an den Nähten so farblich eingesprüht und anschließend gewaschen, dass sie wie echt aufgehellte bleached Denims aussahen, nur eben umgekehrt, gefärbt statt entfärbt. Eine wirklich tolle Idee damals, allerdings auch relativ arbeitsintensiv und die Arbeiter mussten entsprechend geschult werden. Inzwischen kommen wir ohne diesen Aufwand aus und haben Techniken entwickelt, die Jeans ressourcenschonend zu bleachen, ohne den Einsatz giftiger Chemikalien.

Bei der Ozon-Bleiche werden die Hosen in einer großen Maschine dem Ozon so lange ausgesetzt, bis der gewünschte Helligkeitsgrad erzielt ist. Das Ozon (O3) wird in der Maschine gebildet und anschließend auch wieder zu O2, also Sauerstoff, umgewandelt. Es bleiben also keinerlei giftige Substanzen übrig. Auch hier ist unser Motto, umweltunverträgliche Chemikalien erst gar nicht einzusetzen, damit sie gar nicht in den Kreislauf gelangen. Ähnlich sehen wir das mit erdölbasierten Substanzen, „plastics“, die wir auch von Beginn an vermeiden, wo wir können. Auch recyceltes Polyester gehört für uns nicht in eine Hose oder in sonst ein Kleidungsstück, was direkt auf der Haut getragen wird. Ich finde es unglaublich lächerlich, dass der Einsatz von recyceltem Polyester dann auch noch als nachhaltig verkauft wird. Da sollten sich die Marken vielleicht ein bisschen besser mit auseinandersetzen.

TN: Stichwort CO2 Management – in welchen Bereichen der Wertschöpfungskette spielt saubere Luft bei Wunderwerk eine Rolle?


HW: Ich denke, es ist egal ob Luft, Wasser oder Erde – wir sollten überall unser Möglichstes tun, um die Beeinflussung so gering wie möglich zu halten und das natürlich in jedem Bereich der Wertschöpfungskette. Die Rohstoffe und deren Anbau- und Herstellungsgebiete spielen hier eine Rolle, genauso wie die Konfektion, also das Zusammennähen der Produkte, und das Finishen, also Waschen, Färben oder behandeln. Wir stellen etwa 70 Prozent unserer Produkte in der EU her. Die meisten Rohstoffe beziehen wir auch daher, sogar auch aus Deutschland und minimieren so auch die Transportwege. Und das, obwohl ich bei meinen vorherigen Arbeitgebern etwa acht Jahre fast ausschließlich in Fernost oder Südamerika produziert habe. Für mich war das bei der Gründung der Marke Wunderwerk eine logische Konsequenz, um die Marke nachhaltig und ressourcenschonend aufzusetzen. Das Thema CO2 ist sicher ein wichtiger Punkt, ich finde jedoch, dass CO2 einen anderen Stellenwert hat, als einige andere Substanzen. Methan beispielsweise hat eine vielfach höhere Auswirkung auf die Umwelt und das Klima. Das sollte ebenfalls thematisiert werden.

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Weitere Informationen finden Sie unter:
www.wunderwerk.com
www.neonyt.messefrankfurt.com

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